28.4 Informationen: Wenn Daten, die von einem Beobachter in einen sinnstiftenden Kontext gesetzt werden und dadurch für ihn einen Unterschied machen, d.h. wenn er ihnen Bedeutung/Sinn zuschreibt, so sollen sie Informationen genannt werden.

Unabhängig davon, wie ein Einzelner sich verhält, wird seinem Verhalten von irgendwelchen Beobachtern (in der Regel auch von ihm selbst) ein Sinn, eine Bedeutung, zugeschrieben (der auch sein: „hat keinen Sinn“), und es wird als Mitteilung von Informationen interpretiert, d. h. verstanden (selbst dann, wenn das Verhalten als „unverständlich“ bewertet wird). Mit dieser Erwartung muss er rechnen, und diese Erwartung bzw. die wechselseitige Erwartung der Erwartung strukturiert das gegenseitige Verstehen. Diese drei Bestandteile – Information, Mitteilung und Verstehen – sind nötig, um Kommunikation zu realisieren.

In diesem Sinn beschäftigt sich die sogenannte „Informationstechnologie“ nicht mit Information, sondern mit Datenverarbeitung. Ob sich das mit den Fortschritten der sogenannten Künstlichen Intelligenz verändert, bleibt abzuwarten, aber Skepsis scheint angebracht und bislang hat es nicht den Anschein, dass dies geschieht.

Für die menschliche Kommunikation gilt: Sie ist nicht die Leistung eines handelndes Subjektes, d.h. keine Handlung, sondern ein Selbstorganisationsphänomen: Sie passiert. Das widerspricht dem üblichen Sprachgebrauch, dass jemand „gut“ oder „schlecht“ kommuniziert.

 

Literatur:

Informationen bestehen aus Unterschieden, die einen Unterschied machen.“

Bateson, Gregory (1979): Geist und Natur. Eine notwendige Einheit. Frankfurt (Suhrkamp) 2002, S. 122 f.

„I suggest to you, now, that the word »idea« in its most elementary sense, is synonymous with »difference«. Kant, in the Critique of Judgement – if I understand him correctly – asserts that the most elementary aesthetic act is the selection of a fact.

(…)

In fact, what we mean by information – the elementary unit of information – is a difference which makes a difference, (…).“

Bateson, Gregory (1970): Form, Substance, and Difference. In: ders. (1972): Steps to an Ecology of Mind. New York (Ballentine), S. 453.

„Aus Daten werden Informationen durch Einbindung in einen ersten Kontext von Relevanzen, die für ein bestimmtes System gelten. Eine Information ist nach der klassischen Formulierung von Gregory Bateson »a difference which makes a difference«, »ein Unterschied, der einen Unterschied macht« (Bateson 1972, S. 453), als ein bedeutsamer Unterschied. Bedeutsam kann ein Unterschied nur am Maßstab eines Kriteriums von Relevanz sein. Da es keine Relevanzen an sich gibt, sondern jede Relevanz systemspezifisch und systemabhängig ist, folgt zwingend, dass jede Information nur systemrelativ sein kann. Eine Information ist nur dann vorhanden, wenn ein beobachtendes System über Relevanzkriterien verfügt und einem Datum eine bestimmte Relevanz zuschreibt. Nru wenn man so aufwendig und kompliziert rekonstruiert, hat man eine Chance zu verstehen,warum und worin Informationen Informationen sind.“

Willke, Helmut (2004): Einführung in das systemische Wissensmanagement. Heidelberg (Carl-Auer Verlag), S. 31.

 




7 Gedanken zu „28.4 Informationen: Wenn Daten, die von einem Beobachter in einen sinnstiftenden Kontext gesetzt werden und dadurch für ihn einen Unterschied machen, d.h. wenn er ihnen Bedeutung/Sinn zuschreibt, so sollen sie Informationen genannt werden.“

  1. @“die menschliche Kommunikation […] ist nicht die Leistung eines handelndes Subjektes, d.h. keine Handlung, sondern ein Selbstorganisationsphänomen: Sie passiert.“
    Selbstorganisation ist das spontane Auftreten neuer, stabiler, effizient erscheinender Strukturen und Verhaltensweisen (Musterbildung) in offenen Systemen. Das sind Systeme, die sich fern vom thermodynamischen Gleichgewicht befinden, die also Energie, Stoffe oder Informationen mit der Außenwelt austauschen. Die Selbstorganisation ist jedoch auch bei exothermen Prozessen und Prozessen im thermischen Gleichgewicht allgegenwärtig, in der Welt der Elementarteilchen, der Physik und der Chemie, im Weltall bei der Entstehung der Sterne und Planeten, in der Evolution, der Biologie bis hin zu den anfangs genannten sozialen Systemen. Emergente Systeme entstehen von selbst aus ihren Elementen durch die Wechselwirkungen zwischen ihnen. In Physik und Chemie sind dies unmittelbar die Kräfte der Naturgesetze. Die Systeme haben zusätzlich zu ihren komplexen Strukturen auch neue Eigenschaften und Fähigkeiten, die die Elemente nicht haben. Ein selbstorganisiertes System verändert seine grundlegende Struktur abhängig von seinem Entwicklungsprozess und seiner Umwelt. Die interagierenden Teilnehmer (Elemente, Systemkomponenten, Agenten) handeln nach einfachen Regeln und erschaffen dabei aus Chaos Ordnung, ohne eine Vision von der gesamten Entwicklung haben zu müssen.
    Um von Selbstorganisation sprechen zu können, müssen folgende voneinander abhängige Kriterien erfüllt sein: die Evolution eines Systems in eine räumlich/zeitlich organisierte Struktur ohne äußeres Zutun; die autonome Bewegung in immer kleinere Regionen des Phasenraumes (sogenannte Attraktoren), die Entwicklung von Korrelationen oder raumzeitlichen Mustern zwischen vorher unabhängigen Variablen, deren Entwicklung nur unter dem Einfluss lokaler Regeln steht.

  2. Information in der Sachdimension / Sozialdimension

    wie Bateson so schön schreibt, miteinander reden um die Information zu geben, dass miteinander geredet wird …

  3. oh ja, darauf verstand er sich offenbar und das beherrschte er auch gut …
    Vermutlich auch mit einem außerordentlich- entropischen Charme, wie in dieser Anrede:
    „Ich danke Ihnen, sehr verehrte gnädige Frau, daß ich wieder einmal in ihrer lieben Mitte habe weilen dürfen.“

    😉

  4. @3: „miteinander reden um die Information zu geben, dass miteinander geredet wird“

    Das erlebe ich jeden Morgen im Büro, wenn meine Kolleginnen eintreffen.

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