28.4.1 Wenn Daten von einem Beobachter zu Informationen gemacht werden, findet aktuell eine Selektion unter den potentiellen Bedeutungs-/Sinnzuschreibungen statt, die der verwendete Deutungsrahmen zur Verfügung stellt (=Möglichkeitsraum).

Informationen sind insofern „Unterschiede, die Unterschiede machen“ als der Beobachter festlegt, welchen Unterschied für ihn die kommunizierten/mitgeteilten/verstandenen Daten (=bezeichnete Unterschiede) machen. Er bestimmt also den Kontext, in den er sie setzt, und damit legt er die Relevanzkriterien seiner Selektionen fest.

 

Literatur:

„Denke an den Unterschied des Verständnisses, wenn in einem Satz ein Wort einmal mit diesem einmal mit jenem Wort zusammengehörig empfunden wird. Und ich hätte sagen können, daß das Wort einmal zu diesem, einmal zu jenem Wort gehörig aufgefaßt, verstanden, gesehen, ausgesprochen wird.“

Wittgenstein, Ludwig (1969): Philosphische Grammatik. Werkausgabe Bd. 4. Frankfurt (Suhrkamp) 1984, S. 43.

„Information ist nach heute geläufigem Verständnis eine Selektion aus einem (bekannten oder unbekannten) Repertoire vn Möglichkeiten. Ohne diese Selektivität der Information kommt kein Kmmunikationsprozeß zustande (wie immer minimal der Neuigkeitswert des Mitteilungsaustausches geshalten werden kann, enn Kommunikation um ihrer selbst willen oder zur bloßen Ausfüllung von Leerräumen im Zusammensein durchgeführt wird).“

Luhmann, Niklas (1984): Soziale Systeme. Frankfrut (Suhrkamp), S. 195.




2 Gedanken zu „28.4.1 Wenn Daten von einem Beobachter zu Informationen gemacht werden, findet aktuell eine Selektion unter den potentiellen Bedeutungs-/Sinnzuschreibungen statt, die der verwendete Deutungsrahmen zur Verfügung stellt (=Möglichkeitsraum).“

  1. Neudeutsch: Framing. Sachverhalte lassen sich in sehr unterschiedliche Rahmungen bringen, dadurch können Sprechende für ihre Darstellung gezielt bestimmte Deutungsrahmen verwenden, welche jeweils eine bestimmte Wahrnehmung dieser Sachverhalte vermitteln. Rahmung bewirkt bei der Vermittlung von Deutungsangeboten vor allem eine Auswahl und Hervorhebung bestimmter Wirklichkeitsaspekte und ist damit ein wichtiges Mittel strategischer Kommunikation und Rhetorik.
    Neurahmungen können in einem Gespräch oder einer Debatte schon beschriebene Sachverhalte in einen gänzlich anderen Sinnzusammenhang bringen, und so ein „Kippen“ der Wahrnehmung bewirken, oft nur durch eine geringe Verschiebung oder Relevanzsetzung von anderen Aspekten, von Werten oder Vorstellungen.
    In Wittgensteins Sprachphilosophie spielt das Phänomen des Aspektwechsels bei der Betrachtung einer Kippfigur eine zentrale Rolle. In seinen Nachlassschriften zu den Philosophischen Untersuchungen nimmt er häufig als Beispiel zur Veranschaulichung den Hasen-Enten-Kopf, aber auch andere. Seine Überlegungen untersuchen die Frage, was „sehen als …“ im Unterschied zum „normalen“ Sehen bedeutet. Seine Untersuchungen gehen so weit, dass er den Begriff auf verschiedenste Bereiche ausdehnt, wie z. B. das „Betrachten“ eines Musikstückes als fröhlich, traurig, hektisch etc. Im gleichschwebend temperierten Stimmungssystem macht man sich die Mehrdeutigkeit bestimmter Akkorde zunutze, um möglichst bruchlos von einer Tonart in eine andere zu wechseln. Theoretisch taugt dazu jeder Akkord, den man verschiedenen Tonarten zuordnen kann. Die musikalische „Kippfigur“ besteht ebenfalls in einem Perspektivwechsel: Erscheint der Akkord zunächst nur als Bestandteil der Ausgangstonart, so kann er durch eine geeignete Umgebung harmonisch so „beleuchtet“ (umgedeutet) werden, dass er plötzlich als Bestandteil der Zieltonart aufgefasst wird.
    https://www.deutschlandfunk.de/hirnforschung-das-hypothesengenie.740.de.html?dram:article_id=274367

  2. Beispiel für einen Deutungsrahmen:
    Merkels Aussage: „Wir schaffen das“.
    Für die einen ein Versprechen, für die anderen ein Verbrechen .

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