28.4.5 Die Zusammensetzung der Muster von Daten/Informationen soll Syntax genannt werden.

Wenn der Mensch als Beobachter Daten verarbeitet, so sind es im Prinzip nie einzelne Daten, denn er vollzieht stets eine Menge von Unterscheidungen, die er synchron oder diachron ordnet bzw. deren zeitliche und/oder räumliche Ordnung er feststellt (ob er die Daten ordnet oder ihre vorgegebene Ordnungen wahrnimmt, ist für ihn nur im sozialen Kontext zu unterscheiden bzw. in einer sozial akzeptabel zuzuschreiben, s. dazu Sätze 81ff. zu Psychose). Auf jeden Fall ist er immer mit Mustern von Unterscheidung (=Daten) konfrontiert. Schon Worte sind zusammengesetzte Einheiten aus Lauten (geschrieben: Buchstaben), und die geschriebenen Buchstaben sind Muster von Tintenklecksen auf dem Papier oder Pixel auf dem Bildschirm usw. Insofern hat der Beobachter es immer mit Mustern von Daten oder – wenn er den Daten Bedeutungen zuschreibt – von Mustern von Informationen zu tun. Kontextfreie Daten gibt es für den Beobachter nie.

Die von ihm beobachteten Muster sind wiederum kontingent, d.h. in ihrer Form weder notwendig noch unmöglich (=sie könnten auch anders sein). Ihre Ordnung wird traditionell in den Sprachwissenschaften als Syntax bezeichnet. Wichtig ist der Begriff, weil es analytisch sinnvoll sein kann, zwischen Form und Inhalt z.B. von Texten zu unterscheiden. Denn schon die Syntax eines Satzes vermittelt Ideen, die aber nicht seinem Inhalt übereinstimmen muss.

 

Literatur:

„Hat es Sinn auf eine Baumgruppe zu zeigen und zu fragen: »Verstehst Du, was diese Baumgruppe sagt?« Im allgemeinen nicht; aber könnte man icht mit der Anordnung von Bäumen einen Sinn ausdrücken, könnte das nicht eine Geheimsprache sein?

»Sätze wird man dann Baumgruppen nennen, die man versteht, aber auch andere, die man nicht versteht, wenn man annimmt, das der Pflanzer sie verstanden habe.“

Wittgenstein, Ludwig (1969): Philosophische Grammatik. Werkausgabe Bd. 4. Frankfurt (Suhrkamp) 1989, S. 5.

„Als eine Disziplin, die die syntaktischen Beziehungen der Zeichen zueinander unter Absehung von ihren Bedeutungen zu Objekten und Interpreten untersucht, ist die Syntaktik der am besten entwickelte Zweig der Semiotik. Gerade in der eingentlichen Linguistik wird sehr viel auf diesem Bereicht gearbeitet, obgleich häufig unreflektiert und ziemlich verworren.Seit eh und je beschäftigen sich die Logiker mit der Folgebeziehung, und das schließt natürlich die Untersuchung der Relationen zwischen bestimmten Zeichenkombinationen innerhalb einer Sprache ein – wenn auch dieser Ansatz in de geschichtlichen Entwicklung durch manche anderen Überlegungen verdeckt wurde.“

Morris, Charles W. (1938): Grundlagen der Zeichentheorie. München (Hanser) 1972,  S. 32.




2 Gedanken zu „28.4.5 Die Zusammensetzung der Muster von Daten/Informationen soll Syntax genannt werden.“

  1. Sie werden aber „nicht anders“ unterrichtet. Insofern spielt es keine Rolle dass sie auch anders sein könnten … sie könnten nicht einmal „anders“ sein, wenn man das Lesen und Sprechen nicht gelernt hat. Es ist ziemlich sinnlos und jedenfalls unpraktisch, permanent auf möglichen Unsinn zu verweisen.

  2. Etwas Gesprochenes ist kein Wort. Es ist ein verkörpertes Muster. Man sollte auch bedenken, dass die Möglichkeiten der Sprachen beschränkt sind. (Das sieht man bei der Schriftsprache daran, dass der Duden eine erste und eine letzte Seite hat und dass die Grammatik sich kaum wandelt).
    Man kann aus diesen Regeln ausbrechen. In der Kunst oder in der sog. Geisteskrankheit … auch in der Philosophie, nebenher …
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