28.9 Intelligenz: Die Fähigkeit zu unterscheiden, wann gelernt und wann besser nicht-gelernt oder gar entlernt werden muss/sollte, und diese Wahl dann auch in Verhalten umzusetzen…

Intelligenz im genannten Sinne setzt die Fähigkeit zur Selbstreflexion voraus. Zunächst muss die System/Umwelt-Beziehung beobachtet werden (Re-Entry der System-Umwelt-Unterscheidung ins System), um zu überprüfen, ob die internen Strukturen noch zu den durch die Umwelt(en) gegebenen Anforderungen passen. Wenn sich die Umwelten verändern, entsteht möglicherweise ein Lernbedarf, d.h. das bis dato erfolgreiche Wissen oder Können reicht nicht mehr aus, um das Überleben (oder das Erreichen sonstiger Soll-Kriterien) zu sichern. Wer zu dem Schluss kommt, dass er „mit seinem Latein am Ende“ ist, muss dann eben eine andere Sprache lernen oder sein Latein verbessern… Wer das nicht tut, beweist einen Mangel an Intelligenz.




10 Gedanken zu „28.9 Intelligenz: Die Fähigkeit zu unterscheiden, wann gelernt und wann besser nicht-gelernt oder gar entlernt werden muss/sollte, und diese Wahl dann auch in Verhalten umzusetzen…“

  1. „Was die Erfahrung aber und die Geschichte lehren, ist dieses, dass Völker und Regierungen niemals etwas aus der Geschichte gelernt und nach Lehren, die aus derselben zu ziehen gewesen wären, gehandelt haben.“
    Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Weltgeschichte. Bd. 1: Die Vernunft in der Geschichte, hg. v. Johannes Hoffmeister, Hamburg 1994, S. 19

  2. @3: Künstliche Intelligenz lernt durchaus, wenn auch anders als Menschen (scheint mir)… Vor allem aber lernt sie ein paar Dinge nicht, mit denen Menschen umzugehen lernen können: Wenn sie mit Paradoxien, speziell mit pragmatischen Paradoxien konfrontiert sind, zu entscheiden.

  3. @5
    „Kinder lernen nicht hinzu, weil wir ihnen einmalig alle Regeln erklären. Sie lernen, weil wir mit ihnen üben und sie üben lassen. Immer wieder. Und je mehr Zeit wir uns nehmen, umso wahrscheinlicher ist es, dass sie die beigebrachten Fähigkeiten später gut beherrschen. Mit KI-Systemen funktioniert es ähnlich. Auch bei der Künstlichen Intelligenz steht seit jeher im Fokus, wie sie angelernt wird. Erst wenn Lern- und Trainingsmengen laufend zur Verfügung stehen, können kognitive Systeme Rückschlüsse während des Betriebs ziehen und aus den Abläufen lernen. Durch die Kombination verschiedener KI-Verfahren, wenn mehrere Verfahren parallel arbeiten, optimiert sich der Wirkungsgrad von KI-Software und jeder einzelnen Lösung im operativen Betrieb. Ein neuer Algorithmus ist in der Lage, aus Rohdaten, also „Unbekanntem“, Schlüsse zu ziehen und kommunikative Muster zu erfassen. KI-Software beginnt nun „zwischen den Zeilen“ zu lesen – bisher eine Domäne, die ganz klar dem Menschen vorbehalten war – und zieht so implizite Erfahrungen aus den Dialogen mit Nutzern.“ Zusammenfassung aus: https://www.ityx.de/blog/kisysteme-wie-lernt-kuenstliche-intelligenz-hinzu

  4. Dann wäre Nichtlernen eine großartige Fähigkeit, doch wie und wo lernt man das Nichtlernen?

    Ist nicht oft so, dass man selbst vieles lernt bzw. nachahmt, was man einem schadet?
    Schlechtes Benehmen, dumme Angewohnheiten, blöde Redensarten, falsche Sprache.
    Die übernimmt man meist aus Sympathie für die Bezugsperson, ob Mutter, Kindergärtnerin, Lehrer oder Professor, Chef oder BFF.

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