29.1.1 Vorher – Kontext 1: Der kindliche Organismus entwickelt sich und lebt innerhalb eines anderen (des mütterlichen) Organismus und ist in dessen autopoietische (=physiologische) Prozesse eingebunden (=fest gekoppelt).

Die Mutter als Person bleibt ja für die meisten Menschen lange Zeit ihres Lebens eine relevante „Umwelt“ für ihre Entwicklung. Aber es ist ein großer Unterschied, ob vorgeburtlich ihr Organismus diese Umwelt bildet oder nachgeburtlich ihre Teilnahme an der Kommunikation.

Vor seiner Geburt ist das Kind eingebettet in den Stoffwechsel und all die anderen autonomen, biologischen Regelungsprozesse des mütterlichen Organismen. Dies ist eine Zeit, in der es – wer weiss das schon – nicht zu einer Bewusstseinsbildung kommen müsste, da die körperlichen Bedürfnisse nicht erlebt werden könnnen, solange die physiologischen Regelungsprozesse dafür sorgen, dass eventuelle Entgleisungen der Homöostase kompensiert werden. Diese Zeit, in der – im optimalen Fall (was ja nicht in jedem Schwangerschaftsverlauf der Fall ist) – „selbstverständliche“  Prozesse für die Befriedigung potenzieller körperlicher Bedürfnisse sorgen, wird gelegentlich auch – wiederum in höchst fragwürdiger Weise psychologisierend – als „paradiesisch“ bezeichnet. Auf jeden Fall kann festgestellt werden, dass ein Embryo keinen Handlungsbedarf hat: Er muss nicht atmen, nicht essen, nicht trinken, ganz generell: kein zielgerichtetes Verhalten zeigen (wenn er seine Mutter gelegentlich tritt, so kann dies kaum als zielgerichtet bewertet werden, obwohl dieses Verhalten dafür sorgt, dass die werdende Mutter ihre Aufmerksamkeit auf ihr Körperinneres und ihr ungeborenes Kind richtet).




Ein Gedanke zu „29.1.1 Vorher – Kontext 1: Der kindliche Organismus entwickelt sich und lebt innerhalb eines anderen (des mütterlichen) Organismus und ist in dessen autopoietische (=physiologische) Prozesse eingebunden (=fest gekoppelt).“

  1. Dolce far niente. Aber: Würde ein Insasse der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Anstalt seine Situation als paradiesisch bezeichnen? Auch das Leben in einer Luxus-Loft mit dreimal täglich Pizza-Service kann auf die Dauer langweilig werden.

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