29.2.4 Der kindliche Organismus beobachtet das soziale System, in das er hineingeboren wurde, und sein physiologischer Zustand bezeichnet (2. Unterscheiden) die Interaktionen und Interaktionsmuster mit den Menschen in seinem Umfeld (1. Unterscheiden).

Ein außenstehender Beobachter (2. Ordnung), der die Interaktion einer Mutter mit ihrem Kind beobachtet, könnte feststellen, dass das Kind auf das Verhalten seiner Mutter regiert. Wenn es gestillt wird, zeigt es andere körperliche Reaktionen als wenn die Mutter sich, obwohl in der Nähe, sich nicht kümmert. Im ersten Fall dürfte es mehr oder weniger lächelnd vor sich hin nuckeln, im zweiten anfangen zu schreien oder sein Schreien zu verstärken, wenn die Mutter sich nicht nähert und aktiv wird. Der fremde Beobachter würde diesen beiden hier willkürlich gewählten, unterschiedlichen Interaktionsmustern (1. Unterscheiden) jeweils einen anderen Namen geben können (2. Unterscheiden). Ganz analog fungiert die unterschiedliche körperliche Reaktion des Kindes – das gesamte physiologische Muster – als Bezeichnung (2. Unterscheiden) des Interaktionsmusters (1. Unterscheiden).

Diese Art der Koppelung körperlicher und sozialer Muster endet nicht in der Kindheit, sondern prägt dann das weitere Leben. Allerdings können solche Muster auch reflektiert, verlernt oder auch – manchmal mühsam im Rahmen therapeutischer Prozesse – entlernt werden.




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