29.4 Mit der Wahrnehmung des eigenen Verhaltens (z. B. Schreien) und der daran gekoppelten Reaktion der interagierenden Mitmenschen beginnt die soziale Kognition des Kindes.

Schon vorgeburtlich verfügt das Kind über ein differenziertes Wahrnehmungsvermögen, vor allem, was akustische Reize betrifft. So zeigt es nach der Geburt eine Präferenz für die Stimme der Mutter (s. das unten zitierte Beispiel).

Mit der zunehmenden Fähigkeit zu diakritischer Wahrnehmung, d.h. einer unterscheidenden sinnlichen Wahrnehmung, beginnt auch die Bewusstwerdung des eigenen Verhaltens. Wenn dies der Fall ist, dann kann es auch in Beziehung zum Verhalten der anderen Teilnehmer an der Interaktion gesetzt und intentional von Kind genutzt werden.

Auch ganz kleine Kinder beobachten schon sehr genau die Interaktion der Erwachsenen, z.B. zwischen den Eltern und ihre Reaktion auf das kindliche Verhalten.

 

Literatur:

„Bereits intrauterin werden akustische Zeichen mit bemerkenswerter Genauigkeit wahrgenommen, und unmittelbar nach der Geburt besteht eine ausgeprägte Präferenz für die mütterliche Stimme. Dazu folgendes Experiment: Eine Gruppe von Müttern liest ihren Kindern im Mutterleib eine bestimmte Geschichte öfter vor. Nach der Entbindung haben die Neugeborenen die Möglichkeit, über einen speziell konstruierten Schnuller und das Saugen daran eine Tonbandwiedergabe der Geschichte abzurufen. Sie haben dabei je nach Saugrhythmus, den sie verwenden, die Wahl zwischen der Geschichte mit der mütterlichen Stimme und derselben Geschichte mti einer anderen Stimme. Sie bevorzugen signifikant die Geschichte mit der mütterlichen Stimme.“

Dornes, Martin (1993): Der kompetente Säugling. Franfurt (Fischer), S. 41.

„Das Leben des Säuglings hat einen durch und durcch sozialen Charakter, so daß die meisten Dinge, die er tut, fühlt und wahrnimmt, sich in verschiedenartigen Formen sozialer Beziehungen abspielen. Der evozierte Gefährte, die inner Repräsentation, das Arbeitsmodell oder das phantasierete Einssein mit der Mutter sind allesamt nicht mehr und nicht weniger als die Geschichte spezifischer Beziehungsformen (wie es Bowlby, 1980, ausdrückt) oder als die prototypische Erinnerung an eine Vielzahl spezifischer Arten des Zusammenseins mit der Mutter, wie wir es nennen.“

Stern, Daniel N. (1985): Die Lebenserfahrung des Säuglings. Stuttgart (Klett-Cotta) 1982, S. 171.




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