29.5 Die Geburt eines Kindes stellt für das soziale System (z. B. Familie), in das es hineingeboren wird und in dem es aufgezogen wird, eine radikale Irritation dar, da gewohnte Spielregeln der Interaktion und Kommunikation zwangsläufig verändert werden.

Ein junger Vater teilt seinen Freunden und Verwandten nach Geburt des ersten Kindes per Mail mit: „Wir sind jetzt auch nachts erreichbar!“ Sobald ein Kind geboren wird, ändert sich fast alles in den Spielregeln einer Partnerschaft oder Familie. Die Beziehungs-Konstellation der Familienmitglieder ändert sich, einzelne Mitglieder verlieren an Wichtigkeit, ihnen wird weniger Aufmerksamkeit geschenkt – schon weil 100% des verfügbaren Raums, der Zeit und der Aufmerksamkeit etc. neu verteilt werden müssen. Für familienartige soziale Systeme (s. Sätze 50ff.) ist die Geburt eines Kindes immer disruptiv – was positiv oder negativ, auf jeden Fall aber ambivalent von den Mitgliedern erlebt werden kann…

In professionellen Einrichtungen, Institutionen, Organisationen, in denen Kinder von nicht zur Familie gehörenden Fachkräften betreut werden, stellt sich die Situation anders als in der Familie dar. Im Gegensatz zur Familie ist die Aufname eines Kindes als neuem Teilnehmer des sozialen Systems nicht disruptiv, da hier die Abläufe generell auf die Pflege und Aufzucht von Kindern hin strukturiert und routinisiert sind, analog zu anderen Organisationen mit anderen Aufgaben und Zielen. Die Kommunikationsmuster solcher Organisationen sind daher nicht primär personenbezogen, sondern sachbezogen. Mit anderen Worten, die „Sache“, um die herum sich die Muster der Kommunikation und Organisation ordnen, sind Personen, aber die sind – wiederum anders als in der Familie – austauschbar.




Ein Gedanke zu „29.5 Die Geburt eines Kindes stellt für das soziale System (z. B. Familie), in das es hineingeboren wird und in dem es aufgezogen wird, eine radikale Irritation dar, da gewohnte Spielregeln der Interaktion und Kommunikation zwangsläufig verändert werden.“

  1. @“Für soziale familienartige soziale Systeme“
    @“die „Sache“, die um die herum sich die Muster“
    @“ordnen sind“

    RICHTIG
    @“Für familienartige soziale Systeme“
    @“die „Sache“, um die herum sich die Muster“
    @“ordnen, sind“

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