3.1 Operation: Ein Ereignis, das dem Kreuzen einer hypothetischen Grenze von einem Raum, Zustand oder Inhalt außen zu einem Raum, Zustand oder Inhalt innen oder umgekehrt von einem Raum, Zustand oder Inhalt innen zu einem Raum, Zustand oder Inhalt außen entspricht (=Veränderung) soll Operation genannt werden.

Operationen sind zunächst einmal als Aktivitäten zu verstehen, durch eine eine Veränderung herbeigeführt wird bzw. die mit einem Wandel verbunden sind. Wenn sie bzw. ihre Wirkung (d.h. die Veränderung) beobachtet (d.h. unterschieden und bezeichnet) wird, dann entspricht dies dem Kreuzen der Grenzen zwischen innen und außen. Und wenn die Innenseite bezeichnet ist, die Außenseite aber nicht, so führt die Veränderung zu in einen Raum, Zustand oder Inhalt, der unbekannt ist bzw. von dem niemand weiß, wie er ihn nennen soll oder kann (z.B. „Paradies“ oder „Hölle“, „glorreiche Zukunft“ oder „Abgrund“).

Allerdings, das sei vorweg genommen, kann auch das Umgekehrte der Fall sein: Es bedarf einer Operation, die verhindert, dass die Grenze gekreuzt wird, d.h. es bedarf der Aktivität, um Veränderung/Wandel zu verhindern bzw. eine andere, zum Kreuzen der Grenze führende Aktivität zu kompensieren. Nur durch derartige Operationen kann der Status quo aufrechterhalten werden.

 

Literatur:

„Das Ereignis z. B., das wir das Öffnen eines Fensters nennen, besteht aus einer Veränderung, einem Übergang von einem Zustand, in dem das Fenster geschlossen ist, zu einem Zustand, in dem das Festern offen ist. Wir können von dem Ereignis auch als von einer Transformation des ersten Zustandes in den zweiten Zustand sprechen. Ebenso können wir das Ereignis als eine Transformation einer Welt, in der der Anfangszustand vorliegt bzw. die den Anfangszustand enthält, in eine Welt bezeichnen, in der der Endzustand vorliegt bzw. die den Endzustand enthält. Solche Transformationen werden wir auch Zustands-Transformationen nennen.“

Wright, Georg Hendrik von (1963): Norm und Handlung. Königstein (Scriptor) 1979, S. 41.

„Wenn jede Operation ein zeitpunktabhängiges Ereignis ist, das verschwindet, sobald es aktualisiert ist, und folglich durch ein anderes Ereignis ersetzt werden muß, wenn überhaupt eine Sequenz von Operationen, also ein System zustandekommen soll (was nicht sein muß!), erfordert jeder Fortgang der Operierens ein Kreuzen der Grenze der Form, nämlich einen Übergang zu etwas auf der anderen Seite, was vorher nicht bezeichnet war.“

Luhmann, Niklas (1997): Die Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt (Suhrkamp) S. 54.




8 Gedanken zu „3.1 Operation: Ein Ereignis, das dem Kreuzen einer hypothetischen Grenze von einem Raum, Zustand oder Inhalt außen zu einem Raum, Zustand oder Inhalt innen oder umgekehrt von einem Raum, Zustand oder Inhalt innen zu einem Raum, Zustand oder Inhalt außen entspricht (=Veränderung) soll Operation genannt werden.“

  1. … das ist mal wieder bezeichnend, dass er die Logik & die Mathematik außen vor läßt,
    vermutlich um sich den Schritt vom Trottoir runter einzusparen,
    bei dem man so leicht umknicksen kann, wenn man aus dem Landauer raushuppst

  2. der Schritt vom Trottoir,
    die Entscheidung für ein Kind,
    die Entscheidung für diese DNA,
    für dieses kulturelle Territorium …

    das Verlassen des Status quo …

  3. @1: „die Logik & die Mathematik = Schritt vom Trottoir runter“
    „Mit Logik und Mathematik ist beim praktischen Operieren überhaupt nichts anzufangen“, sagt der Neurochirurg.

  4. @FBS: Bei Ihrem vorherigen Satz 3. fehlt die Kommentarfunktion.

    Zu Ihrer Aussage, dass es keine gute Idee sei, Überschriften zu erläutern: Überschriften stehen unterm Generaldiktat von Kaufen und Verkaufen und folgen der alten AIDA-Regel (Attention, Desire, Interest, Action). Eine Überschrift soll Aufmerksamkeit, Verlangen und Interesse wecken und eine Handlung auslösen, nämlich den folgenden Beitrag zu lesen. Dass die Überschrift „Operation, Funktion, Prozess“ dieser Regel folgt, scheint mir nahe zu liegen, regt sie doch zum Nachdenken über deren Bedeutung an – wie Ihr Kommentar schlagend beweist.

  5. … was aber nicht bedeutet, daß man sich gleich einer Kreuzfahrt auf einem der mittlerweile allseits präsenten Luxusdampfer anschließen müßte …

    https://literaturkritik.de/id/14658

    Man muß allerdings schon wissen, was den Unterschied in und von „Das hier ist Wasser“ macht. …

  6. @“wenn überhaupt eine Sequenz von Operationen, also ein System zustandekommen soll (was nicht sein muß!), erfordert jeder Fortgang der Operierens ein Kreuzen der Grenze der Form, nämlich einen Übergang zu etwas auf der anderen Seite, was vorher nicht bezeichnet war.“
    Und wenn es vorher bezeichnet war? Dann ist es keine Veränderung?
    Nun ja, wir erleben derzeit eine Veränderung, die eine Grenze kreuzt, einen Übergang zu etwas auf der anderen Seite, was vorher nicht bezeichnet war: den gleichzeitigen Ausstieg aus Atom- und Kohle-Strom. Die Stromversorgung des Jahres 2040 ist derzeit nicht gesichert, vor allem, weil es noch keine wirtschaftlichen Stromspeicher gibt, die es uns auch in der Nacht ermöglichen würden, im Formen-Blog zu surfen und zu posten.
    Was tun Sie, wenn die Lichter ausgehen und die nächtliche Einschlafhilfe fehlt?

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