3.2.2 Die Funktion einer Operation kann in der Veränderung eines Raums, Zustands oder Inhalts vorher (=außen) zu einem Raum, Zustand oder Inhalt nachher (=innen) oder umgekehrt bestehen.

Jede Operation führt zur Veränderung der Welt, d.h. die Welt – alles, was beobachtet wird oder werden könnte – , stellt sich anders dar, als wenn die Operation nicht vollzogen oder durchgeführt würde/worden wäre. Die Funktion aller Operationen besteht in Transformation (oder – siehe 3.2.3 – der Verhinderung von Transformation). Eine Welt, in der alles im Fluß ist, ist eine Welt, die sich transformiert. Wenn wir jeden Prozess des Transformierens als „Rechnen“ betrachten (wie Heinz von Foerster das vorschlägt, siehe unten), dann können wir feststellen, dass die Welt sich in einem ständigen Prozess des Rechnens befindet…

Literatur:

„Das Wort ‚rechnen‘ kommt von einem im Hochdeutschen nicht mehr vorhandenen Adjektiv, das ‚ordentlich, genau‘ bedeutet. ‚Rech-nen‘ heißt also ursprünglich ‚in Ordnung bringen, ordnen‘. Dazu gehört u. a. auch ‚Rechenschaft‘ und ‚recht‘. Es braucht somit also keineswegs auf numerische Größen Bezug genommen werden.

Ich möchte den Begriff des ‚Rechnens‘ in diesem sehr allgemeinen Sinn verwenden, um jede (nicht notwendig numerische) Operation zu benennen, die beobachtete physikalische Entitäten (‚Objekte‘) transformiert, modifiziert, ordnet, neu anordnet usw. So werde ich z. B. die einfache Permutation der drei Buchstaben A, B, C zu C, A, B, zu einer Anordnung also, in der der letzte Buchstabe an die erste Stelle rückt, als ‚Rechnen‘ bezeichnen. In ähnlicher Weise nenne ich die Operation eine Errechnung, die Kommas zwischen den Buchstaben beseitigt: CAB, in gleicher Weise die semantische Transformation, die CAB zu TAXI verändert usw.“

Foerster, Heinz von (1973): Über das Konstruieren von Wirklichkeiten. In: Heinz von Foerster (1985): Sicht und Einsicht. Versuche zu einer operativen Erkenntnistheorie. Heidelberg (Carl-Auer) 1999, S. 30.




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