30.2 Die Kausalität unbewusster Verhaltensselektion kann entweder im Organismus als relevanter Umwelt oder in sozialen Systemen als relevanter Umwelt verortet werden.

Wenn wir „psychisches System“ und „Bewusstsein“ identisch setzen, dann ist klar, dass unbewusste Prozess nicht der Psyche kausal zugeschrieben werden können. Bleiben also nur die beiden Umwelten: der Organismus des Individuums und das soziale System, duch dessen Spielregeln es sich in seinem Verhalten leiten lässt.

Die Hirnforschung zeigt, dass viele verhaltensbestimmende „Entscheidungen“ getroffen werden, ohne überhaupt vorher ins Bewusstsein treten zu können (siehe das Zitat von Benjamin Libet unter Satz 30.1). Und dass die Erfüllung sozialer Erwartungen, die einem Menschn „in Fleisch und Blut übergegangen sind“, wie es so schön heißt, auch keiner bewusste Entscheidungen bedürfen, um das Verhalten zu leiten, kann jeder anhand eigener Erfahrungen überprüfen.

Da Bewusstsein sich immer nur hier und jetzt ereignet, ist es auf Irritationen durch die Umwelt des Organismus und irgendwelcher sozialer Systeme angewiesen.

Wenn man nach Parallelen zur Freudschen Psychoanalyse sucht (was nur begrenzt gelingen kann, da generell Theorien sich um logische Konsistenz bemühen und daher nicht einzelne ihrer Aspekte aus dem Kontext und ihrer spezifischen Logik der Argumentation gelöst und in andere Theoriearchitekturen eingebaut werden können), so wäre sie am ehesten mit seiner „zweiten Theorie des psychischen Apparats“ zu finden. Dort Konzeptualisiert er „Es“, „Ich“ und „Über-Ich“ als unterschiedliche Instanzen der Persönlichkeit.

Ohne hier also den Anspruch erhoben wird, psychoanalytische Modelle in systemtheoretische zu übersetzen, kann doch eine gewissen Ähnlichkeit festgestellt werden. So betrachtet steht das Es für Impulse, deren unbewusste Herkunft aus dem Organismus stammt, das Über-Ich steht für die Repräsentanz sozialer Erwartungen, und das Ich wäre die dazwischen eingequetsche, Instanz des Bewusstseins, die den Konflikt erlebt, der aus den Widersprüchen zwischen den Handlungsanforderungen beider Bereiche resultiert.




15 Gedanken zu „30.2 Die Kausalität unbewusster Verhaltensselektion kann entweder im Organismus als relevanter Umwelt oder in sozialen Systemen als relevanter Umwelt verortet werden.“

  1. Zu den bewusstseinssteuernden sozialen Systemen gehört auch die Kultur, in die das Individuum hineingeboren und hineingewachsen ist. Kultur lässt sich auch als geistige Struktur oder als Grammatik des Verhaltens beschreiben, wie das einige französische Poststrukturalisten getan haben.

    Nach den französischen Soziologen Luc Boltanski und Eve Chiapello hat der „Geist des Kapitalismus“ (so ihr Buchtitel von 1999) bisher drei wesentlich unterschiedene Phasen durchlaufen. Der „erste Geist“ drückte den Paternalismus eines lokal begrenzten Unternehmerkapitalismus aus (und dauerte bis etwa zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert). Der „zweite Geist“ reflektierte die von der Dominanz industrieller Massenproduktion und bürokratisierter Großunternehmen ausgehende Handlungslogik, die jene Periode beherrschte, die man heute im Allgemeinen als „Fordismus“ (1930-1970) bezeichnet. Seit Anfang der achtziger Jahre entstand nach Auffassung der beiden Autoren jener „dritte“ oder „neue Geist“, für den die immer mehr Flexibilität, Mobilität, Selbstverantwortung und Kreativität erfordernden Bedingungen moderner Projekt- und Netzwerkarbeit charakteristisch sind. Es ist dieser „neue Geist“, der im Zentrum des Buches von 1999 steht. Seine Konstituierung wird sowohl historisch als auch soziologisch-empirisch, nämlich auf der Basis einer Inhaltsanalyse zeitgenössischer Management- und Ratgeberliteratur, untersucht. Eine methodische Schlüsselfunktion erfüllt dabei der Begriff „Dossier der Kritik“, der als Leitdifferenz von „Sozialkritik“ und sogenannter „Künstlerkritik“ operationalisiert wird. Dabei deckt sich „Sozialkritik“ im Wesentlichen mit dem üblichen Begriffsverständnis, wohingegen „Künstlerkritik“ jene Haltungen, Forderungen, Intentionen und Ziele meint, in denen sich subjektive expressive Bedürfnisse nach Identität, Autonomie, Kreativität usw. artikulieren. Die daran anschließende auf die beiden Formen von Kritik bezogene Argumentation lässt sich wie folgt zusammenfassen: Mit der Studentenrevolte von 1968 wurde die traditionelle Sozialkritik der Arbeiterbewegung und politischen Linken durch jenen Typ von „Künstlerkritik“ überholt, der eine Priorität für Bedürfnisse nach „Selbstverwirklichung“, Entmachtung von Autoritäten und ein Ende jeder bevormundenden Reglementierung durch gesellschaftliche Institutionen forderte. Diese ursprünglich gegen ihn gerichtete „Künstlerkritik“ habe der Kapitalismus, so der Gedanke der beiden Autoren, seinerseits adaptiert und in eine Potenz der Eigendynamik verwandelt. Aus der Verbindung von technologisch unterbauter Netzwerkökonomie und kapitalistisch instrumentalisierter „Künstlerkritik“ sei der „neue Geist“ und mit ihm ein neues Rechtfertigungsregime hervorgegangen, das als „projektbasierte Polis“ („cité par projets“) bezeichnet wird. Die der kapitalistischen Netzwerkökonomie inhärenten Formen der Ausbeutung verlangen von den betroffenen Akteuren, die an einem konkreten Netzwerk beteiligt sind, die Ausarbeitung von Gerechtigkeitsstandards, die in der „projektbasierten Polis“ verankert werden müssen. Diese Gerechtigkeitsstandards greifen einerseits auf Elemente der „Künstlerkritik“, andererseits aber auch auf eine Reaktualisierung der Sozialkritik zurück, welche die gegenwärtige Vertiefung sozialer Spaltung und Ungleichheit wieder auf die Tagesordnung gesetzt hat: „Der Sozialkritik neue Kraft zu verleihen und nach einer Verringerung der Ungleichheiten und der Ausbeutung in einer vernetzten Welt zu streben, ist zweifellos von grundlegender Bedeutung. Allerdings sollte die Künstlerkritik nicht unter dem Vorwand ihrer Verirrung – insofern sie in den letzten zwanzig Jahren dem Kapitalismus in die Hände gespielt habe – und angesichts der Dringlichkeit des sozialen Kampfes zu Grabe getragen werden. Die Themen der Künstlerkritik sind ebenso grundlegend wie aktuell. Wie anderthalb Jahrhunderte Kapitalismuskritik gezeigt haben, widersprechen die beiden Formen der Sozial- und der Künstlerkritik einander in vielen Punkten. Andererseits sind sie aber auch untrennbar miteinander verbunden, insofern sie unterschiedliche Aspekte der Lebenswirklichkeit betonen und sie dadurch ausgleichen und wechselseitig beschränken“.

  2. Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass Psyche und Bewusstsein identisch sind … ?

    und das Unbewusste sich zeigt in sozial gelernten Verhaltensweisen oder in organismisch definiertem Verhalten.
    Psyche wäre dann der Bereich, in dem wir bewusst entscheiden was wir denken und tun …

    der Unterschied zum Unbewussten, sozial oder organismisch, wäre dann die Bewusstwerdung, die uns die/ eine Wahl ermöglicht ..

    …wie ich es verstehe,
    der reine Verstand, Großhirn, der angeborenes, emotionales Verhalten und Tun ebenso wie soziales kulturelles Verhalten kritisch durchdenkt und dann entscheidet ..

    das wäre eine konträre Auffassung von Psyche wie sie im allgemeinen Verständnis gehandelt wird …,
    ermöglicht Differenzierung und weist auf das langsame Denken hin …(s.Kahnemann oder auch Sapolsky)
    und verweist das Unbewusste in tiefere Hirnregionen und in das Soziale, die Kommunikation ..

  3. @2+3: Wo bleiben da die Inspiration und die Intuition, die Kreativität und die Spontaneität?
    Wie erklären sich Gedächtnis und Traum, Freudsche Fehlleistungen (Vergessen, Versprechen, Verdrehungen der Erinnerungen) und psychische Störungen (Neurosen und Psychosen)?

    Geschieht das immer alles willentlich und jedesmal mit der bewussten Wahl zwischen kontingenten Möglichkeiten?

  4. Wo verorten Sie Emotionen: in der Psyche (Bewusstsein) oder in der Physis (Nerven, Hormone) oder im Sozialen (Sozialstruktur, Kultur)?
    Beispiel: Musik
    Das Hören von Geräuschen, Tönen, Klängen und Musik kann uns zum Weinen bringen. Sie kann uns beim Sport zu Höchstleistungen treiben. Sie beruhigt uns, macht uns glücklich oder ängstlich. Nur eines tut Musik nie: Sie lässt uns niemals kalt.
    Musik berührt und bewegt uns aber nicht nur positiv – sie kann uns auch negativ beeinflussen. Reinhard Kopiez von der Musikhochschule Hannover hat den „Gänsehaut-Effekt“ über mehrere Jahre untersucht. Er erklärt ihn unter anderem damit, dass der Hörsinn schon seit Urzeiten als eine Art ”Alarmanlage” funktioniert und vor unangenehmen Situationen warnt: „Bestimmte klangliche Muster rufen zuverlässig ein Gefühl der Bedrohung hervor und hierzu eignen sich besonders die tiefen Frequenzen, also das Grummeln und das Beben der Erde, wenn die Dinosaurier kommen, das hat für uns die Folge der Desorientierung, wir haben keine Möglichkeit, die Schallquelle zu orten, wenn sie sehr tiefe Töne enthält.“ (Reinhard Kopiez, Professor für Musikpsychologie an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover)

  5. @4/5: Das Bewusstsein (=Psyche) existiert nur hier und jetzt. Alles, was länger wirkt, ist verkörpert (d. h. hat seinen Niederschlag gefunden in physischen Strukturen/Prozessmustern oder sozialen Mustern. Kreativität etc. sind Folge der jeweils aktuellen Irritation des Bewusstseins durch Prozesse in diesen Umwelten.

  6. Erstens: @6 ist keine Antwort auf @5

    Zweitens:
    Wenn Psyche = Bewusstsein wäre, womit würden sich Psychologen, Psychoanalytiker, Psychotherapeuten, Psychiater befassen? Mit bewussten Willensentscheidungen?
    Wenn Psyche = somatische Automatismen wären, kämen wir dann nicht in die Nähe der biologistischen Psychiatrie, die Sie so engagiert zu widerlegen versuchen?

    Drittens:
    Wo ziehen Sie die Grenze zwischen Bewusstsein und Unbewusstem?
    Ähnelt sie der juristischen Abgrenzung von Zurechnungsfähigkeit und Unzurechnungsfähigkeit (Mord oder Totschlag)?
    Wie konzeptionalisieren Sie Bewusst-unbewusst-Bereiche wie Meditation, Trance, Exstase, Schlafwandeln, luzides Träumen, Drogenrausch?

  7. @7: Doch, @6 ist eine Antwort au @5. Das Bewusstsein existiert immer (!) nur in Form von aktuellen Ereignissen. Und sobald es – z.B. ein Gedanke oder ein Gefühl – sich ereignet hat, ist es auch schon wieder vorbei. Diese Ereignisse müssen reproduziert bzw. durch neue ersetzt werden, um auf Dauer als Phänomen beobachtbar (z.B. erlebbar) zu sein.

    Dass es dabei auf den Körper angewiesen ist, macht dies nicht zu einer biologistischen Theorie, denn es ist nach dieser Theorie nicht nur auf den Organismus angewiesen, sondern auf Organismus und das soziale System (!). Erst durch die Kopplung von beidem entstehen die Ereignisse des Bewusstseins.

    Und es gibt Phänomene, die nicht bewusst ablaufen. Klar. In der Meditation wird offenbar das Bewusstsein in einen anderen als den üblichen Zustand gebracht, weil die Aufmerksamkeit auf etwas anderes gelenkt wird, als dies die „übliche“ Umwelt tut. Dito in der Trance. Und wenn Sie Musik hören und vor Rührung heulen, dann geschieht das als Ereignis immer nur aktuell, und es gibt garantiert ein biologisches Korrelat des Hörens bzw. der Assoziationen, die Sie an den wunderbaren Augenblick erinnern (ihn sich in die Gegenwart zurückholen / ihn reproduzieren), in dem Sie sich damals zum ersten und letzten Mal von einer Frau verstanden fühlten. Aber auch das ist das Ergebnis der Kopplung von Organismus und sozialem System…

  8. @5: Klar, Musik vermag zu berühren
    … aber ab wann ist bzw. wird Musik zu Musik?

    und repräsentiert nicht lediglich physikalisch definierbare Schwingungen innerhalb des -vom menschlichen Gehör- wahrnehmbaren Spektrums; z.B in Form von Geräuschen bis Lärm wie Knistern, Knattern, Grummeln, Grunzen, Poltern, Zirpen, Zischen etc. pp.

    Ein derart über das eigene Spektrum an physischen Fähigkeiten hinausragendes Erfassen von potentiell bedrohlichen oder aber auch glückselig machenden Ereignissen nicht bewältigen, wahrnehmen oder gar festhalten zu können, wirkt sich schon äußerst aus
    und macht -selbstredend, vor allem in der Not- äußerst erfinderisch.

    So könnte oder sollte es (z.B. auch) sein …

    https://www.youtube.com/watch?v=5i15CjMG0WE

  9. „Die moderne Biologie zeigt uns, daß der lebende Organismus nicht nur aus dem einzelnen Körper oder, beim Menschen, aus einem Körper und einer Seele besteht. Körper und Seele, diese Gesamtheit unsrer Person, sind ja nichts als die Verbindung materieller und geistiger Organe und somit ein System funktionierender Apparate. Das Leben besteht aus einem System körperlicher und seelischer Vorgänge, Operationen, Tätigkeiten. Diese Tätigkeiten sind mittelbar oder unmittelbar auf die Umwelt gerichtet, münden in sie aus. Das Auge sieht die Gegenstände der Landschaft, und die Hand streckt sich aus, um sich ihrer zu bemächtigen. Es wäre indessen ein Irrtum, zu meinen, die Umwelt, die wir auch Milieu nennen, sei nur dazu da, um unserer jeweiligen Tätigkeit als Ziel zu dienen. Jeden Tag wird deutlicher, daß die Funktionen unseres Organismus (auch so elementare wie die Ernährung) sich nur dann vollziehen, wenn sie dazu angeregt werden. Für das Lebewesen ist also der Reiz oder die Anregung von vornehmlicher Wichtigkeit. Alles übrige hängt in solchem Maße von ihr ab, daß man sagen könnte: leben heißt angeregt werden. Arsenal der Reize aber, die unablässig auf unseren Organismus und auf den Kraftstrom unseres Leben einwirken, ist vor allem anderen unsere Umwelt. Jede Art, ja sogar jedes Individuum verfügt über ein eigenes Milieu: die Wespe mit den sechstausend Facetten ihrer Augen sieht andere Dinge als wir, hat eine anderer visuelle Umwelt und empfängt andere Anreize. “

    Epílogo al libro de Victorio Ocampo
    >>de Francesca a Beatrice<<
    Ortega y Gasset, 1924

  10. @8: „es gibt garantiert ein biologisches Korrelat des Hörens bzw. der Assoziationen, die Sie an den wunderbaren Augenblick erinnern (ihn sich in die Gegenwart zurückholen / ihn reproduzieren), in dem Sie sich damals zum ersten und letzten Mal von einer Frau verstanden fühlten“

    Sinnliche Reize (ein Musikstück oder eine Madelaine) können durch Assoziationen (Ähnlichkeiten) Erinnerungen an vergangene (Glücks)Gefühle wachrufen (Geborgenheit, Liebe), die zellulär (in den Tiefen des Gehirns) abgespeichert sind, und zu körperlichen Reaktionen führen, die den ursprünglichen Aktionen ähneln. Dieses Retrieval geschieht unbewusst, unwillentlich und spontan – ähnlich wie ein Flashback bei negativen Erlebnissen (Trauma, bad trip).

    Kausalität (?): Es kann so geschehen, muss es aber nicht.
    Der Zusammenhang von Reiz und Reaktion wird von zahlreichen Faktoren bedingt, die nicht eindeutig programmierbar sind. Anthony Burgess hat in „Clockwork Orange“ den Versuch der Umerziehung eines jugendlichen Gewalttäters mithilfe der Musik Beethovens phantasiert, der jedoch scheiterte (Selbstmord des Probanden). Er wollte damit ähnliche Erziehungsansätze des radikalen Behavioristen B. F. Skinner widerlegen. Heute spielen solche Methoden bei New Work und agiler Teamarbeit wieder eine Rolle der Systemveränderung von innen.

  11. bevor die Braut den Schleier hebt gilt es 3 Nüsse zu knacken
    und vom Prinzen 3 Fragen zu beantworten:

    ? was ist der Körper
    ? was ist das Soziale
    ? was ist die Psyche

    der/ die / das ???

    dann lüftet die Braut den Schleier
    und Hinsehen und Erkennen ist jenseits von Bewertung …

    wie es immer wieder in „Der Name der Rose“ gesagt wird,
    Wissen und Erkenntnisse bleiben zuweilen, müssen? zuweilen, im Verborgenen bleiben ..

    und um Selvini Palazzoli zu zitieren ebenso wie GSB, erst die Bewusstwerdung in der Handlung, d.h. während der Koppelung von Körper, Psyche und Sozialem ermöglicht Erkenntnis/ Wissen..

    alles andere sind Hypothesen, Spekulationen …

  12. Der Prinz ist der Körper, die Braut die Psyche. Das Soziale geschieht in der Hochzeitsnacht (Koppelung).

  13. Tja, das scheint dann doch so eine schwindelerregende bzw. zu Schwindel herausfordernde Sache, die irgendwo -milieuabhängig- zwischen „Tun“ und „Sein“ zu verorten wäre, zumal sich -vor dem Hintergrund des entsprechenden Milieus (vgl. @ 10), möglicherweise aber auch auf Basis undefinierbarer „strange attractors“ –
    die “ einfache Betrachtung [… ] lehrt, daß das Milieu nicht außerhalb des Organismus zu suchen ist, sondern [sich als] eines seiner Organe darstellt.“

    … und dies dann auch mit einer gewissen Regelmäßigkeit,
    z.T. auch gepaart mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit

    „Der größere Teil der Männer lebt von fertigen Phrasen, übernommenen Ideen, herkömmlichen Empfindungen ohne eigenes Gesicht. Und genau so trägt die Alltagsfrau ein alltägliches Männerideal in ihrer Seele, ein banales Model, das sehr leicht in der Wirklichkeit ein annäherndes Gegenstück entdeckt. Aber wie es geniale Männer gibt, die ganz neue Gedanken ins Leben rufen, Kunststile ersinnen, Rechtsnormen entdecken, so gibt es auch geniale Frauen, bei denen ( dank des erlesenen Stoffes, aus dem ihr Wesen gemacht ist) eine zielbewußte Verfeinerung des Empfindens zunächst uneingestanden zur Herausbildung eines neuen Mannesideals führt. Als ein Hochziel, ein Beispiel, ein Urtyp übt dieses feingezeichnete Idealprofil dann auch eine ganze Gesellschaft seinen Einfluß aus und erhebt Kraft des Zaubers, der von der Frau ausgeht, den Mann auf eine höhere geistlich sittliche Ebene.“
    Ortega y Gasset
    Vom Einfluß der Frau auf die Geschichte
    – Die Frau soll anspruchsvoll sein
    1924

    Nachwort zu dem Buch
    [a.a.O.: hier: @10]
    -Epílogo al libro de Victorio Ocampo
    >>de Francesca a Beatrice<<

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