30.3 Organismus: Es gibt angeborene und im Laufe des individuellen Lebens erlernte Muster der individuellen Verhaltenssteuerung, deren materielles Korrelat im Organismus verortet werden kann (z. B. bedingte und unbedingte Reflexe, senso-motorische Muster).

Wenn ein Autofahrer reflexhaft (d.h. noch bevor er das Kind bewusst wahrnimmt) auf die Brense tritt, wenn ein Junge, der seinem Ball hinterherjagt, auf die Strasse läuft, ist zweifellos ein erlerntes Verhaltensmuster. Auch wenn ein Pianist in Bruchteilen von Sekunden seine Finger über die Tasten fliegen lässt, ist die Koordination einzelner Muskeln nicht einer bewussten Entscheidung zuzurechnen – und die Perfektion des Spiels setzt nicht nur unendlich viel Üben voraus, sondern es wird obendrein durch eine mögliche Einmischung des Bewusstseins – z.B. des Nachdenkens darüber, wie richtig zu spielen ist – behindert.

Die Reihenfolge des Lernens ist offenbar, dass bestimmte Bewegungen zunächst bewusst ausgeführt werden müssen, um dann – Effekt der Wiederholung – irgendwann automatisiert und unbewusst ablaufen zu können. Das Beispiel äußerlich wahrnehmbarer Aktivitäten bietet sich hier der guten Beobachtbarkeit wegen einfach an, aber die Mechanismen des Übergangs einer bewussten in eine unbewusste Dynamik dürften sich bei geistigen Tätigkeit kaum davon unterscheiden. Auch Muster des Denkens oder Argumentierens können zunächst bewusst durchgeführt, eingeübt und dann irgendwann „wie im Schlaf“ abgespult werden.

Dass es angeborene Verhaltensmuster gibt, ist bei einer großen Zahl von Tieren besser als bei Menschen zu beobachten. Sie sind bereits kurze Zeit nach der Geburt in der Lage, für sich selbst zu sorgen, weil die dazu nötigen Verhaltensmuster nicht erst erlernt werden müssen.

Bei Menschen gibt es  zu Beginn des Lebens nur wenige solcher Muster, wie etwa den Greifreflex (der wohl ein phylogentischer Restbestand ist aus Zeiten, als sich neugeborene Menschenbabys wie Affenbabys an den Brusthaaren ihrer Mütter festhalten mussten, wenn diese durch die Steppe rannten; seit die Brustbehaarung bei Damen aus der Mode gekommen ist, ist dieser Reflex eigentlich überflüssig, aber so schnell ändert sich das Erbgut offenbar nicht). Die langsame Änderung von Genen dürfte auch der Grund sein, warum es für Menschheit ein Vorteil ist, nicht allzu viele Verhaltensmuster per DNA vererbt zu bekommen. Denn das so vermittelte Wissen oder Können würde sie lernbehindert machen und ihr die Flexibiltität nehmen, sich an Umwelten, die sich rasch verändern, anpassen zu können.

Bei einigen Verhaltensweisen ist es allerdings außerordentlich positiv, dass sie nicht erst erlernt werden müssen (Atmen zum Beispiel).




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  1. Mediale Verhaltenssteuerung: Die von den Medien propagierte Entfernung der Körperbehaarung (vor allem bei Männern) sollte die Verbindung zum Neandertaler kappen. Ob das geklappt hat?

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