30.3.1 In der Struktur des Organismus sind bereits vorgeburtlich Funktionsmuster vorgegeben, durch welche physiologische, das Überleben sichernde, vegetative Prozesse gesteuert werden, die entweder vollkommen oder zum großen Teil der Beeinflussung durch das Bewusstsein entzogen sind.

Hier sind vor allem intrakorporale Prozesse wie Verdauung, Aufrechterhaltung des Kreislaufs, Atmung etc. zu nennen. Es schafft einfach keiner zu beschließen, gut zu verdauen, das Herz schneller schlagen zu lassen usw., ohne irgendwelche Hilfsmittel dabei zu nutzen. Die schnellere (ob bessere?) Verdauung ließe sich durch die Einnahme von Rizinusöl erreichen, die Beschleunigung des Herzschlags durch einfaches Verlieben (aber das ist wiederum nur schwer durch bewusste Entscheidungen herbeizuführen …).

Aber auch Prozesse der Aufmerksamkeitsfokussierung, der Steuerung der Wahrnehmung, der emotionalen Reaktionen sind vorgeformt und treten nicht ins Bewusstsein (aber die sind in der Regel dem Bewusstsein des Erwachsenen, reflexiv auf sich selbst schauenden Individuum zugänglich). Es sind kognitive Prozesse, die für die Kopplung des Individuums an das soziale System, desen Teilnehmer es ist, von zentraler Bedeutung sind.

 

Literatur:

„Vor dem Hintergrund der in diesem Kapite. gegebenen Beschreibung von Bewusstseinszuständen umfasst aus Sicht der Hirnforschung und der experimentellen Psychologie das Unbewusste folgende Inhalte: (1) Vorgänge in Gehirnregionen außerhalb der assoziativen Großhirnrinde; (2) vorbewusste Inhalte von Wahrnemumungsvorgängen; (3) unterschwellige (subliminale) Wahrnehmungen; (4) Wahrnehmungsinhalte außerhalb des Fokus unserer Aufmerksamkeit; (5) alle perzeptiven, kognitiven und emotionalen Prozesse, die im Gehirn des Fötus, des Säuglings und des Kleinkindes vor Ausreifung des assoziativen Cortex ablaufen; (7) Inhalte des deklarativen Gedächtnisses, die in Unbewusste abgesunken sind und (»vergessen«) werden können; (8) »verdrängte« Gedächtnisinhalte des autobiographischen Gedächtnisses.“

Roth, Gerhard (2001): Fühlen, Denken, Handeln. Wie das Gehirn unser Verhalten steuert. Frankfurt (Suhrkamp), S. 218.




Ein Gedanke zu „30.3.1 In der Struktur des Organismus sind bereits vorgeburtlich Funktionsmuster vorgegeben, durch welche physiologische, das Überleben sichernde, vegetative Prozesse gesteuert werden, die entweder vollkommen oder zum großen Teil der Beeinflussung durch das Bewusstsein entzogen sind.“

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