30.6 Sowohl der Organismus als auch das soziale System (insbesondere die Kultur einer Sprachgemeinschaft) sind deswegen für die unbewusste Steuerung des individuellen Verhalten so relevant, weil die Elemente ihrer Prozessmuster (organische Funktionsmuster/kulturelle Spielregeln) relativ fester gekoppelt (=starrer, weniger flexibel) sind als die Elemente der Muster des Bewusstseins.

Anders formuliert: Ein Bewusstsein ist in seinen Strukturen flexibler als ein Organismus oder eine Kultur.

Die Prozesse bzw. deren Elemente, die dafür sorgen, dass die Autopoiese des Organismus aufrechterhalten wird, sind ziemlich fest gekoppelt. Der Organismus ist zwar lernfähig – vor allem das Gehirn ist in der Lage, aufgrund von Erfahrung Synapsen zu verstärken oder verkümmern zu lassen und so ein geschichtsabhängiges neuronales Netzwerk zu knüpfen – aber seine grobe Struktur ist ziemlich wenig veränderbar (eventuelle durch plastische Chirurgie – aber auch das nur modifizierend, nicht umstrukturierend).

Soziale Systeme wären im Prinzip eigentlich sehr flexibel, d.h. die einzelnen Kommunikationen als ihre Elemente könnten leicht anders geordnet werden, aber da die Teilnehmer an der Kommunikation in manchen Typen sozialer Systeme (Organisationen, Kulturen …) austauschbar sind, gewinnen die Kommunikationsmuster eine Stabilität, die größer ist als die des psychischen Systems, dass sich diesem sozialen System anpassen muss.

Eine der Qualtitäten psychischer Systeme, die auch für deren Überlebensfähigkeit verantwortlich ist, besteht in der potenziellen loseren Kopplung ihrer Elemente (Gedanken/Gefühle, an die jeweils andere Gedanken und Gefühle anschließen können, so dass nicht immer nur dieselben Denk- oder Fühlmuster reproduziert werden müssen – obwohl sie es natürlich können) als ihre relevanten Umwelten.

Im Zweifel passt sich das System, dessen Elemente oder Komponenten relativ loser gekoppelt sind, sich dem System, dessen Elemente oder Komponenten fester gekoppelt sind, an. Es ist flexibler, zerbricht nicht bei Irritation oder Perturbation, sondern kann sich – wenn auch mit geänderter interner Struktur („gebogen“, „gebeugt“, „verbogen“…) – als Einheit erhalten. Flexibilität schützt davor zu zerbrechen, aber ob das positiv oder negativ zu bewerten ist, kann nicht absolut gesagt werden – hängt davon ab, wer das aus welcher Perspektive zu bewerten hat.




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