31.2.3 Retention: Falls die selektierten senso-motorischen Muster durch die zeitlich gekoppelte Beseitigung des Mangels als »fit« bestätigt werden, werden sie wiederholt (= Repetitive senso-motorischer Muster – der Organismus als Beobachter, der seine Beobachtungen bestätigt/confirmiert).

Der fälchlicherweise Darwin zugesprochene Satz „Der Fitteste überlebt“, der sogenannten Sozialdarwinisten zu Legitimation dient, zeugt von einem mangelnden Verstehen evolutionärer Prinzipien. Es gibt nicht den einen, besten Weg des Überlebens, sondern die Tatsache, dass eine Art oder Gattung von Lebewesen (die hier wieder als Modell für die Logik evolutionärer Prozesse dienen) bis dato überlebt hat, kann geschlossen werden, dass sie bis heut „fit“ genug war, um zu überleben. Das unterscheidet sie zwar von all den Lebewesen, die bislang schon ausgestorben sind (den Sauriern z.B.), aber nicht von allen anderen Arten oder Gattungen, die noch am Leben sind.

Überleben ist dabei eine Alles-oder-Nichts-Unterscheidung – wie die Fortsetzung der Autopoiese, und daher kann diese Fitness auch nicht gesteigert werden (im Sinne von „fittest“).

Es geht immer nur um ein „Gut-genug-Sein“, um zu überleben.

Das gilt auch für die Entwicklung von Weltbildern. So wie Elefanten und Ameisen trotz ziemlich unterschiedlicher biologischer Strukturen (=ihrem verkörperten Wissen) überleben, können auch die unterschiedlichsten Weltbilder überleben und de facto hinreichend „angepasst“ sein, um ihren Eigentümern das Überleben zu sichern. Und das heißt nichts anderes als: Sie werden von denen, die sie benutzen, als „bestätigt“ bewertet. Und das kann auch Aspekte umfassen, die aus der Perspektive eines Anderen als schwachsinnig erscheinen.

 

Literatur:

„Retention bedeutet Verfügbarkeit für das Ins-Gedächtnis-Zurückrufen, und sie bedeutet nichts als diese Verfügbarkeit. Die Retention einer Erfahrung it, kurz gesagt, nichts als ein anderer Name für die Möglichkeit, sie wieder zu denken, oder die Tendenz, sie wieder zu denken – mitsamt ihrer früheren Umgebung.“

James, William (1950): Principles of psychology.  New York (Dover) Bd. I, S. 654, zitiert nach Weick, Karl (1969): Der Prozeß des Organisierens. Frankfurt (Suhrkamp) 1985, S. 295.

„Würden wir hier die Frage stellen: »Welcher der Konkurrenten ist ‚fittest‘, welcher ist am besten angepaßt?«, so würde die Antwort lauten: »Der, der schließlich als Sieger aus der Konkurrenz hervorgeht.« Es gibt kein anders Kriterium als das Resultat der Auslese selbst. Darwins Prinzip besteht in dieser Spielversion aus der bloßen Tautologie: »survival of the survivor«.“

Eigen, Manfred, Ruthild Winkler (1975): Das Spiel. Naturgesetze steuern den Zufall. München (Piper), S. 74.

[Beispiel eines Musters der Bestätigung  (=Retention) von Vorannahmen:]

„Das Grundmuster dafür liefert die Geschichte vom Manne, der alle zehn Sekunden in die Hände klatscht. Nach dem Grunde für dieses merkwürdige Verhalten befragt, erkärt er: »Um die Elefanten zu verscheuchen.«

»Elefanten? Aber es sind hier gar keine Elefanten?«

Darauf er: »Na also! Sehen Sie?«“

Watzlawick, Paul (1983): Anleitung zum Unglücklichsein. München (Piper), S. 51f.




2 Gedanken zu „31.2.3 Retention: Falls die selektierten senso-motorischen Muster durch die zeitlich gekoppelte Beseitigung des Mangels als »fit« bestätigt werden, werden sie wiederholt (= Repetitive senso-motorischer Muster – der Organismus als Beobachter, der seine Beobachtungen bestätigt/confirmiert).“

  1. Das Überleben der Art kann sogar durch individuellen Selbstmord gesichert werden, z. B. von Selbstmordattentätern, die sich selbst töten, um das Fortbestehen der Gemeinschaft zu retten, ob nun Kamikaze-Piloten oder islamistischen Bombenlegern.

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