31.3.2 Es bilden sich Interaktionsmuster (= Emergenz), die keinem der Teilnehmer an der Interaktion einseitig kausal zugeschrieben werden können.

Joey und seine Mutter, ein weiteres Kapitel in der Entwicklung der Interaktionsmuster zwischen Mutter und Baby, wie sie Daniel Stern beschreibt (s. unten).

Aber es ist nicht allein eine Dyade, in die ein Kind hineingeboren wird. In vielen Fällen gibt es auch noch einen Vater, d.h. es ist eine Triade, in die das Kind geboren wird (s. unten Fivaz).

 

Literatur:

„Joey lächelt etwas zeitversetzt zu seiner Mutter. Das ist ganz in Ordnung, den ein Lächeln braucht Zeit, um sich über das ganze Gesicht auszubreiten und erst danach wieder langsam zu verblassen. Erst das volle Lächeln seiner Mutter löst Joeys eigenes Lächeln aus. Und erst wenn seines den Höhepunkt erreicht hat, belebt es das bereits verblassende Lächeln seiner Mutter neu. Der verschobene Rhythmus sorgt beim anderen jeweils für einen Neubeginn, wodurch sich das »Zwiegespräch« verlängert. (…)

Nach dem dritten Lebensmonat kommt es zwischen Mutter und Kind serh häufig zu solchen wechselseitigen Interaktionsmustern, und zwar nicht zur beim Lächeln, sondern auch bei Austausch von Lauten und Geräuschen. Dieses Interaktionsmuster vermittelt dem Kind die Grundbegriffe dessen, was das »abwechselnd an der Reihe sein« angeht, un dwie es in der Zukunft seine Unterhaltung mit anderen Menschen gestaltet. Letztlich ist dieser einfache, spielerische Austausch zwischen Mutter und Kind ein wesentliches Fundament für alle späteren zwischenmenschlichen Interaktionen.“

Stern, Daniel N (1990): Tagebuch eines Babys. München (Piper) 25. Aulf. 2016, S. 71.

[Über das Spiel zu dritt: Vater, Mutter und Kind:]

„Dialogue and trilogue play are simply and purely for fun, just like a party with friends. They are for establishing affective communion, sharing pleasure, tying and retying bonds, for better or for worse. The art of affective communion is at the core of our intimate relationships. Since the basic unit in whick we develop these relationships is most often the primary triangle, constituted by father, mother, and infant, it is surprising that we scarcely know how a new family develops its intimate relationships threesome. True, we know much about their one-on-one relationships, mother and infant, father and infant, husband and wife. Yet how theses relationships merge into a threesome ist uncharted territory. Perhaps we have not yet provided ourselves with the opportunity to see that it was nature’s  design to preadapt us to dealing with more than one relationship. After all, we are born from two human beings.“

Fivaz-Deperusinge, Antoniette Corboz-Wrnery (1999): The Primary Triangle. New York (Basic Books), S. xiiif.




4 Gedanken zu „31.3.2 Es bilden sich Interaktionsmuster (= Emergenz), die keinem der Teilnehmer an der Interaktion einseitig kausal zugeschrieben werden können.“

  1. Es soll Mütter geben, die in einer nachgeburtlichen Depression versinken und denen es nicht zum Lächeln zu Mute ist, oder Mütter, die ihr Baby anschreien, weil es schon wieder vor Hunger schreit.
    Auch diese wechselseitigen Interaktionsmuster werden früh eingeübt.

  2. Eine Forschungsgruppe unter der Leitung von Elisabeth Fivaz-Depeursinge und Antoinette Corboz-Warnery hat triadische Kommunikationsmuster zwischen Eltern und ihren Kindern während der ersten Lebensjahre untersucht. Ab dem dritten Lebensmonat verfüge das Kind über eine „trianguläre Kompetenz.“ Fivaz-Depeursinge, Elisabeth; Corboz-Warnery, Antoinette: Das primäre Dreieck. Vater, Mutter und Kind aus entwicklungstheoretisch-systemischer Sicht. Carl-Auer-Systeme, Heidelberg 2001, ISBN 3-89670-187-8.

  3. ja, darüber schreibt Selvini Palazzoli in ihrem Buch
    „Die psychotischen Spiele in der Familie“

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