32.4.1 Da das Bewusstsein des Neugeborenen als Beobachter nicht gleichzeitig bei Homöostase und Nicht-Homöostase des Organismus anwesend sein kann, weist es dem als Unlust und Lust bewerteten Erleben einen zeitförmigen Abstand zu.

Vielleicht wäre es angemessener, ganz neutral von positivem und negativem Bewerten des eigenen Zustands zu sprechen statt von Lust und Unlust. Das klingt so, als gäbe es eine unabhängige Bewertungsinstanz, die den Zustand des Organismus bewerten würde.Und diese Suggestion auch wäre nicht falsch, denn das Kind  befindet sich zwar in seiner Totalität in einem „negativ “ oder „nicht-negativ“ oder gar „positiv“ erlebtem Zustand, aber das Erleben (Bewusstsein) ist nicht der erlebte Zustand (Organismus). Es handelt sich um unterschiedliche Phänomenbereiche.

Da es Affekte (= das Erleben/Bewusstsein des Körpers in seiner Ganzheit) sind, die den Mangelzustand bezeichnen, ist die Unterscheidung zwischen Zustand des Organismus (1. Unterscheiden) und der affektiven Bewertung (2. Unterscheiden = Bezeichnen durch das Bewusstsein) angemessn. Der ganzheitliche Zustand tritt ins Bewusstsein, und erst nachdem der Mangelzustand (Unlust) bewusst geworden ist, kann auch eine Differenz dazu erlebt werden (Nicht-Unlust oder Lust). Da beides nicht gleichzeitig – außer in der Erinnerung – beobachtet werden kann, wird Zeit durch das unterschiedliche Erleben von Unlust und Nicht-Unlust konstruiert.




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