32.6.2 Gleichzeitigkeitsassoziationen, die wiederholt vollzogen werden, bilden die Grundlage der Kreation zusammengesetzter Einheiten, z. B. von Gegenständen/Objekten/Lebewesen, die durch unterschiedliche Merkmale charakterisiert werden können.

Nur was sich wiederholt ist für die Erkenntnis des Säuglings – wahrscheinlich generell für alle Menschen – von Bedeutung. Denn mit Ereignissen, die nur einmal vorkommen, kann man nicht „rechnen“, d.h. man ist ihnen ausgeliefert. Daher ist es wichtig, die Welt auf Regelmäßigkeiten hin zu untersuchen und Invarianzen zu finden (was allerdings immer eigentlich heißt: zu erfinden; aber manche dieser Erfindungen passen halt zur Welt – sind viabel – andere nicht).

Auf jeden Fall gilt (auch für den Hausverstand): Was nur einmal passiert, braucht nicht weiter zu interessieren (außer Unfallforscher vielleicht). Und das gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für die „Erkenntnis“ anderer Lebewesen. Wobei anzumerken ist, dass es reicht, wenn der Beobachter zu dem Schluss kommt, dass sich „dieselben“ Ereignisse und Prozesse wiederholen. Sie müssen es nicht – und wahrscheinlich können sie es auch gar nicht, da man bekanntlich nicht „zweimal in denselben Fluß steigen“ kann. Es ist ausreichend, wenn der Beobachter von den Unterschieden zwischen erstem und zweitem Bad abstrahiert und er beide als „gleichförmig“ kategorisiert.

 

Literatur:

„Wir haben nun einer besonders wichtigen Eigenschaft der Ordnung dieser Welt nachzugehen: daß diese Ordnung nämlich im höchsten Maße redundant ist. Das heißt, ihre Gegenstände und Ereignisse wiederholen sich völlig gleichförmig in großer, ja unvorstellbar großer Zahl. (…) Man kann sich Ordnungsformen ausdenken, die nur aus Redundanz bestehen und solche, die keine Redundanz enthalten; in welchen sich also nur ein einziger Gegenstand findet; oder in welchen sich nichts wiederholt. In beiden würde der Erkenntnisapparat, wie ihn das Leben entwickelte, keinerlei Wissen erwerben können. Sein Lernmechanismus ist auf das Trennen des Gleichen aus dem Ungleichen abgestimmt. Das Leben kann sich in der Mehrzahl der Fälle darauf verlassen, daß sich die Gegenstände wie die Ereignisse wiederholen weden. Ja, es wiederholt sie selbst, in der fortgesetzten Wiederholung der Generationen, der Reaktionen, Bewegungs abläufe, identischen Worte und zu überprüfenden Experimente. Das Zusammentreffen, die Koinzidenz eines Ereignisses  mit einer bestimmten Lebensbedingung wird sich in der Regel unzählige Male wiederholen oder im explorativen Verhalten wiederholen lassen.“

Riedl, Rupert (1980): Biologie der Erkenntnis. Berlin (Paul Parey), S. 42.




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