32.6.4 Diachrone Assoziationen: Daten, die wiederholt nacheinander in derselben Reihenfolge wahrgenommen werden, werden als Wenn-dann-Relation verknüpft.

Die Wahrnehmung zeitlichen Aufeinanderfolgens führt zur Konstruktion dessen, was man  „Kondizionalprogramm“ nennen kann. Man drückt auf einen Knopf und das Lich geht an. Dies ist das Prinzip, mit dem Ratten die Versuchsleiter im Labor dressieren: Sie drücken auf eine Taste,  und immer, wenn sie das tun, reagiert der Leiter des Experiments („bedingter Reflex“) damit, dass er den Ratten Futter gibt…

Die Hypothese, dass zeitliches Hintereinander auf Kausalität („post hoc propter hoc“ – eine  schon im Altertum populäre Form des Fehlschlusses) verweist, ist offenbar auch in der Natur von Lebewesen (nicht nur des Menschen) biologisch „verdrahtet“. Allerdings muss dieser zeitliche Zusammenhang zwischen zwei oder mehr Ereignissen sehr eng sein, um vom Beobachter zu einer Einheit gekoppelt zu werden. Wenn die „Folge“ zu lange nach der „Ursache“ erfolgt, werden beide vom durchschnittlichen Beobachter nicht assoziiert. Deshalb, so zeigt die Erfahrung, ist es im Strafrecht wichtig, dass die Strafe schnell nach der Tat erfolgt, um auf den Täter irgendeinen nachhaltigen Eindruck zu machen. Und der Umweltschutz krankt daran, dass die Folgen der Vernichtung von Arten und die Konsequenzne der Verwüstung des Planeten nicht unmittelbar erlebbar sind, wenn man Dreck in die Landschaft schmeißt.

Aus der Menge (Variation) der so potenziell möglichen Hypothesen siebt dann in der Kommunikation (Selektion) im Laufe seiner kognitiven Entwicklung das Individuum diejenigen Hypothesen als „wahr“ aus, die sozial und im alltäglichen Handeln durch die Erfahrung bestätigt werden (Retention).




Ein Gedanke zu „32.6.4 Diachrone Assoziationen: Daten, die wiederholt nacheinander in derselben Reihenfolge wahrgenommen werden, werden als Wenn-dann-Relation verknüpft.“

  1. Was ich bei der Konditionierung auch interessant finde, sind Abneigungen gegen bestimmte Lebens- und Genussmittel,wenn diese eindeutig auf bestimmte Erlebnisse zurückzuführen sind. Ich denke hier an einen Freund, der keine Wrigley’s Airwaves mehr mag, weil er genau in dem Moment, als sich der Geschmackshöhepunkt eines solchen Kaugummis auf seinem Gaumen ereignete, den Es-ist-vorbei-Anruf von seiner Freundin erhielt. Ein anderer Freund mag keinen Kamillentee. Ich weiß: Kein Einzelfall, aber nicht jeder mag keinen Kamillentee, weil er als 12-Jähriger sein frisch beschnittenes Geschlechtsorgan wieder und wieder in ebendieses Getränk tauchen musste, um den Heilungsprozess zu beschleunigen.

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