32.7 Die Überlebenseinheit des Kindes ist nicht sein Organismus, sondern sein Organismus in der Kopplung an andere Menschen (oder deren Ersatz, siehe »Wolfskinder«) und deren Funktionsübernahme, d. h. ein soziales System.

Das Konzept der Überlebenseinheit führt vor Augen, dass die Menschheit nur überlebt, wenn soziale Systeme dafür sorgen (mit Betonung auf „sorgen“ = taking care).

Um das wahrscheinlich zu machen, werden Babys mit einem Signalsystem geboren (ihre Mimik, ihr Körper usw.), das die Übernahme der Verantwortung durch Erwachsene für sie wahrscheinlich macht. Sie signalisieren Affekte, die bei den Menschen in ihrer Umgebung die Bereitschaft erhöhen, sich um sie zu kümmern. Sie koppeln sich affektiv. Das berühmte „Kindchenschema“ dürfte dabei eine Rolle spielen, so dass die Wahrscheinlichkeit einer gemeinsamen Geschichte und die Entstehung von Bindung erhöht wird.

 

Lieratur:

„Wir wissen nun einmal nicht, ob Säuglinge das, was ihr Gesicht, ihre Stimme, ihre Körper usn so eindringlich zu vermitteln scheinen, tatsächlich empfinden: doch es fällt schwer, angesichts dieser Ausdrucksfähigkeit nicht auf eine entsprechende Empfindungsfähigkeit zu schließen. Daß Säuglinge anfangs mit einem Signal ausgestattet sein sollten, das für sie selbsgt ohne Bedeutung ist, ihrem Interaktionspartner aber sehr wohl eine Bedeutung zu vrmitteln mag, kann man sich ebenfalls nur schlecht vorstellen; denn schließlich sind sie auf diese Gefühle angewiesen, um ihre Zustände zu regulieren, um sich selbst zu »definieren« und um Erfahrungen zu sammeln.“

Stern, Daniel N. (1985):Die Lebenserfahrung des Säuglings. Stuttgart (Klett-Cotta) 1992, S. 101.




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