32.7.1 Durch Wenn-dann-Relationen werden Ereignisse bzw. die damit verbundenen Erlebensweisen zunächst als Wirkung eigenen und/oder fremden Verhaltens interpretiert, d. h. als Wirkung menschlicher Interaktion/Kommunikation.

Wenn das Kind etwa ein Jahr alt ist, hat es – nach übereinstimmender Meinung der Säuglingsforscher – hat es getrennte Vorstellungen von sich selbst und anderen, und es kann auch die „Ursache“ des Verhaltens unterschiedlichen Akteuren zuordnen: sich selbst und anderen. Daraus resultiert eine Vorstellung von Interaktion bzw. Erwartungen an Interaktion, mit denen auch die Idee der eigenen Einflußnahme – oder deren Fehlen – verbunden ist (bzw. sein dürfte, wenn man das Verhalten der Kinder interpretiert).

 

Literatur:

„Wir aber beschäftigen uns hier mit Säuglingen in den präverbalen Phasen und mit anderen Vorgängen: was passiert z.B., wenn man hungrig ist und an der Brust liegt, oder was passiert, wenn man mit der Mama etwas Aufregendes spielt? Außerdem interessieren uns nicht nur die Handlungen, sondern auch die Empfindungen und Affekte. Die Episoden, um die es uns geht, umfassen also interpersonale Interationen erlebt werden, deshalb interessiert uns nicht nur das Interaktionsgesschehen. Ich nehme an, daß für diese Episoden ebenfalss eine Durchschnittserwartugn und eine präverbale Repräsentation entwickelt wird, die ich als »generalisierte Interaktionsrepräsentationen« (Representatio of Interactions that have been Generalized; RIGs) bezeichne.“

Stern, Daniel N. (1985): Die Lebenserfahrung des Säuglings. Stuttgart (Klett-Cotta) 1992, S. 142f.

„Joey im Alter von 12 Monaten

Joey ist dabei, zwei große Entdeckungen zu machen, die miteinander Hand in Hand gehen. Zum einen erkennt er, daß er seine eigene privater Gedankenwelt besitzt, also psychische Landschaften, die anderen verborgen bleiben, solange er sie ihnen nicht zu zeigen versucht. Die zweite Entdeckung ist die Möglichkeit, die eigene Gedankenwelt mit einer anderen Person zu teilen. Diese beiden Erkenntnisse stellen fundamentale Entwicklungssprünge dar. Ist er erst in der Lage, sie zu meistern, werden sie seine Anffassung von der menschlichen Wirklichkeit für sein gesamtes Leben bestimmen.

Eine Gedankenwelt enthält Absichten, Wünsche, Gefühle, Interessen, Gedanken, Erinnerungen, also alle Ereignisse, die lebhaft im Innern des einzelnen auftauchen, ohne daß ein anderer sie sehen kann.

Stern, Daniel N. (1993): Tagebuch eines Babys. München (Piper) 25. Aufl. 2016, S. 89.




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