33.1 Die beobachtbare Koordination der Aktionen unterschiedlicher Akteure (=Beobachter) lässt sich dadurch erklären, dass sie miteinander kommunizieren, d.h. Kommunikation ist ein Erklärungsprinzip.

Der Witz an der menschlichen Kommunikation ist, dass man das Verhalten anderer Menschen als Mitteilung deuten (d.h. erklären) muss, um sich selbst an der Kommunikation beteiligen zu können. Wer das Verhalten nicht in dieser Weise interpretiert, wird nur unterschiedliche Verhaltensmuster beobachten können, die er aufeinander beziehen kann, aber nicht muss. Die beobachteten Personen könnten auch  – ein alternatives Erklärungsmodell – ferngesteuert sein (wie die Autos einer Carrera-Spielzeug-Rennbahn oder die Züge einer elektischen Eisenbahn).




35 Gedanken zu “33.1 Die beobachtbare Koordination der Aktionen unterschiedlicher Akteure (=Beobachter) lässt sich dadurch erklären, dass sie miteinander kommunizieren, d.h. Kommunikation ist ein Erklärungsprinzip.”

  1. „Es war eine Wüste, und in der Wüste war ein Krokodil. Es tut mir leid, es zu sagen, aber Krokodile sind nicht beliebt. Nein. Das kommt nicht etwas daher, weil ihre Toilette meist schlampig und salopp ist, oder weil sie unleugbar einen etwas unsympathischen Zug um den Mund haben, denn das sind schließlich Äußerlichkeiten. Die Unbeliebtheit kommt vom Appetit. Das ist in der ganzen Welt so: je größer der Appetit, um so kleiner die Beliebtheit. Liebe und Freundschaft gedeihen nur unter Ausschluß des Appetits, und man versteift sich sogar so weit, die harmloseste Konversation nur einzugehen unter der engherzigen Bedingung, daß man nicht gefressen oder auch nur angeknabbert wird. “

    M. Kyber,
    Das patentierte Krokodil
    a.a.O., S. 13
    Hesse&Becker Verlag / Leipzig

  2. Zustimmung!
    Die beobachtbare Koordination der Aktionen unterschiedlicher Akteure (=Beobachter) lässt sich manchmal auch dadurch erklären, dass sie wissen, was sie tun müssen (intuitive Kommunikation), oder dass sie das tun, was die andern tun (nachahmende Kommunikation).
    Die beobachtbare Koordination der Aktionen unterschiedlicher Akteure (=Beobachter) lässt sich in einer Mensa oder Kantine oder einem Restaurant auch dadurch erklären, dass sie Hunger haben und diesen durch Essen stillen wollen (Gastro-Kommunikation).

  3. „Der Mensch kann nicht kommunizieren; nur die Kommunikation kann kommunizieren“ (Niklas Luhmann: Die Wissenschaft der Gesellschaft. Frankfurt am Main 1992, S. 31). Soziale Systeme erhalten über Kommunikation autopoietisch in ihrem Bestand. Kommunikation ist in dieser Sichtweise kein menschliches Handeln, sondern Produkt sozialer Systeme, das heißt eine autopoietische Operation, die zur Ausdifferenzierung und Erhaltung der Systeme führt (Niklas Luhmann: Soziale Systeme. Grundriss einer allgemeinen Theorie. Frankfurt am Main 1987).

  4. falls noch irgendwer glaubt, es drehe sich hier jetzt um die nächste Miss-Wahl,
    ei der hat sich grad schnerrt, gell …
    dass des efer allemoo klar is.

  5. „Um jetzt schon Mißverständnissen vorzubeugen, sei betont, daß der begriff >>AutoPOIESIS<<mir Bedachr´t gewählt ist und genau gemeint ist. Es geht keineswegs um AutHYPOSTASIS. [33]"

    "FN [33] Der Begriff authypostasis findet sich bei Nikolaus von Kues. De pricipio. zit nach Philosophisch-theologische Schriften Bd.II, Wien 1966, S. 211-265, z.B. S. 212 als griechische Fassung vor ' per se subsistens' "

    … uns die Form vom Nikolaus kann man genauso gut zum Gießen von Osterhasen verwenden. Hauptsache die Schoko-Lade stimmt, was die Prozente angeht.

    un in Sache Sport bin ich sowieso schon immer fer quadratisch, praktisch, gut.
    Dodebei und dodemit kammer eichentlich nix mäh vekehrt mache. …
    Vor allem net, was dann emmo um Wunder gehe sollt,
    dann kann jo jeder zwische Genf und Senf
    oder aa
    zwische Gern un sei Cern sei paar Grosche,Cent oder Thaler wie mer halt so was nennt beisteuere.

    Halt ee Fuffi in Gold oder so

  6. ordinare = ordnen, einrichten

    Koordination = gemeinsam, zusammen einrichten, ordnen

    Voraussetzung scheint mir das geteilte, gemeinsame Wissen um die Ordnung zu sein, kulturelles Wissen, wissenschaftliches Wissen..

    Koordination beim Wiener Walzer, nicht so einfach für Menschen aus anderen Kulturen, dieses Umeinanderdrehen, links und rechts, und Wiegeschritt ..💃🕺🏻

  7. @7: Man kann auch gemeinsam Tanzschritte entwickeln, die vorher noch keiner kannte.

  8. @7: Kultur, Wissenschaft = sedimentierte Kommunikation, die teilweise auch in den Genen abgelagert ist und vor allem epigenetisch und sozial vermittelt wird

  9. @10: „Sediment“ scheint mir keine hilfreiche Metapher. Es geht ja um die Wiederholung (=Aktivität) von charakteristischen Kommunikationen (=Operationen). Tanz dürfte die passendere Metapher sein.

  10. @10: Kultur und Wissenschaft = sich wiederholende („tanzende“) Kommunikation, die teilweise auch in den Genen abgelagert ist und vor allem epigenetisch und sozial vermittelt wird.

  11. naja, wenn vom Prinzip her der Ethische Imperativ Heinz von Foersters gilt,
    „Handle stets so, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten größer wird!“

    dann ist halt immer noch Platz für „new voices“ …
    https://www.youtube.com/watch?v=vwXhYyQtCU0

    mit der einzigen Einschränkung, daß man die Qual der Wahl eben nicht so ganz
    los wird und dann als erstes eine Entscheidung treffen muß, wenn man das denn will,
    wofür, wozu und für wen man sich entscheidet,
    konfrontiert mit der Wahrscheinlichkeit des Unwahrscheinlichen

    …´unentschieden bleibt halt auf Dauer keine besonders amüsante und vertretbare Option

    Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag

  12. Gratuliere ebenso zum 30. Geburtstag, auch wenn unsere Beziehung durchwachsen ist, Carl. Aber so ist es zumindest nie langweilig.
    Hübsches Foto, finde ich.

  13. Das erklärt meine Ambivalenz, Michael. Mal schreiben Sie wirklich kluge Texte und dann wieder … Ich verstehe aber auch Dorothea aufgrund ihrer bildreichen Sprache mitunter nicht …
    Ich finde das Foto hübsch! Schöner Hintergrund, bunt, und ein Unternehmer, Autor und Philosoph davor. Mein Verhältnis zu Haaren ist gespalten. Aber ich werde auch weiß, stelle ich fest.

  14. @15: „Mein Verhältnis zu Haaren ist gespalten.“
    Bekanntlich vor allem zu behaarten Fußzehen.

  15. Ja, liebe Andrea, wenn ich das alles so lese, verstehe ich bisweilen auch nicht, was für einen Käse ich da geschrieben habe … passt überhaupt nicht zum Thema.

    Eigentlich würde mich aber interessieren, wieso stw 1001 in Österreich 80 Cent teurer ist. Woran liegt das? Das verstehe ich nicht so ganz, zumal doch beide in Euroland liegen.
    Für Liechtensteinwürde ich das ja verstehen. Das liegt so steil, daß man einfach ein Post-Problem haben dürfte.
    Oder vielleicht besser ein Post-Kutschen-Problem;
    Vorphilateliemäßig gedacht, klappert dort vielleicht noch die Mühle
    am rauschenden Bach

  16. Klasse, Michael;
    die berühmt-berüchtigten Weiber mit den Haaren auf den Zähnen
    entspringen im Grunde einem Dr ckfehler,
    einfach mal auf den Punkt gebracht:
    Ein Haifisch ähnelt eben selten einer bzw. einem Bache …
    uns schon gleich gar nicht einem Jäger aus Chur-Pfalz
    🙂

  17. Aber mal Spaß beiseite,
    das Farbenspiel bei stw spricht – von den 80 Cent Unterschied zwischen (D) und (A) einmal abgesehen – in der Tat Bände. Für Farbenblinde ist das eigentlich nichts

    „Damit sind wir an dem Punkte angelangt, an dem die Bedeutung des Beobachtens zweiter Ordnung deutlich wird. Sie tritt in der Architektur der Theorie, aber auch im Selbstverständnis der Moderne, an die Stelle, die vordem naturale oder transzendentale Prämissen besetzt hielten. Statt auf letzte Einheiten zu rekurrieren, beobachtet man Beobachtungen, beschreibt man Beschreibungen. Auf der Ebene zweiter Ordnung kommt es erneut zu rekursiven Vernetzungen und zum Suchen von „Eigenwerten“, die sich in den weitere Operationen des Systems nicht mehr verändern. Vielleicht sind diese Eigenwerte nur „Plätze“, die man temporär mit Werten besetzt mit der Folge, daß jede Änderung der Werte die Plätze umbesetzen muß., weil sie nicht leer bleiben können, uns dafür nur eine sehr begrenzte (oder gar kein) Auswahl anderer Möglichkeiten zur Verfügung hat. Oder anders formuliert: Es sind vielleicht nur Funktionen, die erfüllt werden müssen mit einer sehr begrenzten Auswahl funktionaler Äquivalente. So kann man sagen, daß Forschung und damit Wissenschaft eine Funktion erfüllt und damit einen stabilen Eigenwert der modernen Gesellschaft reproduziert. Man kann Forschung nicht einfach unterlassen, ohne katastrophale Folgen auszulösen – Katastrophe hier begriffen al Umstellung auf andere Eigenwerte. Nd eben deshalb liegt es nahe, die Kritik der Forschung selbst forschungsmäßig durchzuführen, wenn man nicht in den imaginären Raum ein „anderen Gesellschaft“ flüchten will.“

    NL, Die Wissenschaft der Gesellschaft,
    stw 1001
    S. 717 f

  18. @20: …und wenn man nicht in den imaginären Raum von Fake-News und alternativen Wahrheiten flüchten will.

  19. Der russische Physiker Jakow I. Frenkel (1894 bis 1952) bemerkte: „Ein gutes theoretisches Modell eines komplexen Systems sollte wie eine gute Karikatur sein“.

    Das Modell der Komplexität dynamischer Systeme geht von einem systemischen Organisationsverständnis aus. Dabei werden Unternehmen als soziale Systeme aufgefasst, in denen die Mitglieder als zentraler Bestandteil des inneren Aufbaus verstanden werden. Nach der Systemtheorie von Niklas Luhmann bestehen die strukturellen Elemente eines sozialen Systems aus Kommunikationsprozessen. Übertragen auf das Change Management bedeutet dies, dass Diagnosen und Interventionen nicht bei Personen anzusetzen sind, sondern bei ihren Handlungen, insbesondere den Kommunikationsprozessen und deren Voraussetzungen sowie Folgen.
    Das Modell der Komplexität dynamischer Systeme geht davon aus, dass durch eine unvorhersehbare, jedoch unmittelbar bevorstehende Zukunft ein Ungleichgewicht innerhalb der Organisation vorhanden ist. Unterschiedliche Machtverhältnisse sowie verschiedene Ansichten und damit einhergehende Spannungen sorgen dafür, dass Veränderungen spontan und ungeplant auftreten. Das bedeutet, das sich Unternehmen in einem dynamischen System befinden, welches durch Rückkopplungsprozesse und Instabilität geprägt ist.
    Nach Stacey, Griffin und Shaw ist die Aufgabe von Führungskräften im Veränderungsprozess, alles was geschieht, zu hinterfragen und daraus neue Perspektiven zu entwickeln. Gleichzeitig sollen auch in diesem Modell günstige Bedingungen geschaffen werden, damit sich Veränderungen nachhaltig fortsetzen können.

  20. @23: Genau, dort steht zutreffenderweise nicht: „Ein gutes theoretisches Modell eines komplexen Systems sollte ausschließlich von einem avantgardistischen Carl Auer sein“.

  21. @24: Braucht man nicht reinzuschreiben, weiss sowieso jeder, der sich ein wenig in dem Bereich auskennt…

  22. @26: Der Kalauer ist die Wurzel aller Kreativität. So basiert z.B. die Heideggersche Philosophie auf dem Kalauer ( wie Jan Philipp Reemtsma in einem luziden Artikel dargelegt hat)…

  23. Vgl. 5.2: „Generell wird ja der erkenntnistheoretische Stellenwert des Kalauerns grandios unterschätzt – Jan Philipp Reemtsma hat mal einen langen Artikel geschrieben, in dem er belegt hat, dass sowohl das Werk Sigmund Freudss als auch die Heideggersche Philosophie ihre Wurzeln im Kalauer haen – was ich sehr überzeugend finde, siehe: Reemtsma, Jan Philip (1990): Witzlosigkeit und Inhumanität. Philologische Gedanken über den Kalauer. In: ders. (1992): u.a. Falun. Reden und Aufsätze. Hamburg (Edition Tiamat) , S. 37 – 47.“

    Das wusste Carl Auer bereits 1989.

  24. @10: Lassen sich die Systeme also doch zum Tanzen zwingen, wie Marx 1844 schrieb.
    „Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!“ Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung. MEW 1, S. 381

    @29:
    Kalauer sind die Buchstaben von A bis J.
    ?
    Weil die alle auf das K lauern.

  25. @32: Auch zum System?
    Naja, ein bisschen grüner dürfte es schon sein! Wenn bloß diese Systemzwänge nicht wären! Rolf-Dieter Brinkmann schrieb 1972 zum Studentenprotest und der damaligen Mehr-Demokratie-wagen-Stimmung resigniert: „Und sie meinen im Durchschnitt, dass es fortschrittlicher wäre, sich in ein Denken und Verhalten zu begeben, das kritisch zum bestehenden System ist, ohne zu sehen, dass eins durchs andere definiert wird“.
    So könnten Sie heute mit noch größerer Berechtigung sagen: „Ich habe es leid, auf eine Revolution zu warten, die dann doch nicht kommt“; Zitat FBS (aus dem Gedächtnis).

  26. … zum Glück kann man schließlich auch noch die gesamten überflüssigen Papers in die Tonne kloppen, die man dereinst unter dem imaginierten Druck von „publish or perish“ veröffentlicht hat.
    Nur ein Wendehals versteht sich darauf, die Wende zu halsen ohne sich un Mittel bar den Atlas in den Hirnstamm zu rammen.

  27. @21 @20 … ja, das ist schon so ein Ding.

    Wie falsifiziert man fake news, wenn man eigentlich nicht erkennen kann, auf welchen Füßen alternative Wahrheiten zu pflegen stehen, wenn sie sich vorgeblich auf Fakten berufen.
    Glaubenssätze gehören eigentlich nicht in die Wissenschaft. Es sei denn man möchte sich gerne über Professor Oberschlau’s Kuh echauffieren und darüber raisonieren wie sich die Unwahrscheinlichkeit mit den sie umgebenden Wahrscheinlichkeiten zu paaren pflegt, daß es eine wahre Wonne ist …

    Im übrigen, das geht ja erfahrungsgemäß vergleichsweise ziemlich lange gut, bis dann irgend so ein verhuschtes Laborhäschen (bzw. auch dessen Nachfolge-Produkt) auf die Idee kommt, den als sexistischen empfundenen Anteil am Gewinn einzuklagen, der eigentlich nur auf einer transitorischen Schwäche unterhalb der Gürtellinie zurückzuführen war und durch den kurzen Zwischenstopp in der Parkbucht keinesfalls in erhellendem Maße zur Realisierung der Grundidee beigetragen hat.

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