33.1.1 Kommunikation ist kein direkt beobachtbares Phänomen, kein Verhalten oder Handeln eines einzelnen Akteurs.

Was über die meisten Phänomene gesagt werden kann, kann auch über Kommunikation gesagt werden: Sie ist kein beobachtbares Phänomen. Wenn wir davon sprechen, dass Menschen miteinander kommunizieren, so erklären wir ihr Verhalten. Die unter systemischen Therapeuten und Bertern populäre Frage: „Was würde man sehen, wenn man … mit einer Kamera aufnehmen würde?“ kann im Fall der Kommunikation in etwas so beantwortet werden: Zwei oder mehr Personen verhalten sich in einer Weise, dass es den Eindruck machen kann, das Verhalten des einen sei eine Reaktion auf das Verhalten des anderen. Allerdings verhalten sie sich – in der Face-to-Face-Kommunikation – ja gleichzeitig, so dass es schwer ist, den Kreisprozess von Aktion und Reaktion zu interpunktieren. Menschen produzieren Laute, andere ebenfalls. Wenn dies als Kommunikation im Sinne von gegenseitigem Senden und Empfangen von Botschaften, von Mitteilung und Verstehen, interpretiert wird, so geht dies über die reine Beschreibung von Phänomenen hinaus. Der Anthropologe Clifford Geertz nennt dies „dichte Beschreibung“. Das ist es, was im Alltag unsere Kommunikation möglich macht und ökonomisiert: eine mit Erklärungen und Bewertungen aufgeladene Art der Beschreibung.

 

Literatur:

»Schon auf der Ebene der Fakten, dem unerschütterlichen Felsen des ganzen Unternehmens (wenn es den überhaupt gibt), erklären wir, schlimmer noch: erklären wir Erklärungen« (Geertz, Clifford (1973): Dichte Beschreibung. Beiträge zum Verstehen kultureller Systeme. Frankfurt (Suhrkamp) 1987, S. 14.




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