33.2.3 Die Grundlage des gegenseitigen Verstehens und damit der Kommunikation von Menschen ist die Möglichkeit das Erleben eines anderen zu simulieren, d.h. selbst analog zum Erleben eines anderen zu erleben und/oder sein Denken nachvollziehen zu können (=Empathie/Perspektivübernahme).

Das beginnt ja schon, wenn ein Kind geboren wird. Es muss ja gar nicht aussehen wie Vater oder Mutter und trotzdem wird angenommen, dass er fühlt, dass es Hunger hat, dass es müde ist usw. Und diese Ähnlichkeit bildet auch die Grundlage des Verstehens in der Kommunikation – was nicht heißt, dass derjenige, den man »versteht« sich verstanden fühlt. Denn alle Hypothesen, die dem Verhalten eines anderen einen Grund, eine Absicht oder auch nur den Ausdruck eines Gedankens oder Gefühls zuschreiben, bilden auch die Grundlage des Mißverstehens.

Auch Empathie, d.h. die Einfühlung in einen anderen, kann dessen „wahre“ Gefühle vollkommen verfehlen.

Dass Luhmann (s. Zitat unten) nur dann von Kommunikation spricht, wenn der Mitteilung ein Entschluß zugrunde liegt, scheint eine nicht angemessene Einengung des Kommunikationsbegriffs. Denn auch ohne Entschluß undunbewußt kann z.B. ein psychischer Zustand („mir geht es schlecht“) mitgeteilt werden, der verstanden wird und mit einer Reaktion beantwortet wird, durch die sich der oder die Betreffende verstanden fühlt.

Der theoretische Gewinn, der durch diese Trennung von Mitteilung/Verstehen und schlichter Wahrnehmung gewonnen wird, ist durchaus zweifelhaft, denn auch die vermeintlich bloße Wahrnehmung sorgt für Fortsetzunge der Autopoiese des Kommunikationssystems.

 

Literatur:

„Im Verstehen erfaßt die Kommunikation einen Unterschied zwischen dem Informationswert ihres Inhalts und den Gründen, aus denen der Inhalt mitgeteilt wird. Sie kann dabei die eine oder die andere Seite betonen, also mehr auf die Information selbst oder auf das expressive Verhalten achten.. Sie ist aber immer darauf angewiesen, daß beides als Selektion erfahren und dadurch unterschieden wird. Es muß, mit anderen Worten, vorausgesetzt werden können, daß die Information sich nicht von selbst versteht und daß zu ihrer Mitteilung ein besonderer Entschluß erforderlich ist. Und das gilt natürlich auch, wenn der Mitteilende etwas über sich selbst mitteilt. Wenn und soweit diese Trennung der Selektonen nicht vollzogen wird, liegt eine bloße Wahrnehmung vor.“

Luhmann, Niklas (1988): Was ist Kommunikation? In: Simon, Fritz B. (1988): Lebende Systeme. Frankfurt (Suhrkamp) 4. Aufl. 2011, S. 21.

„Jeder uns gegenüberstehende Mensch ist für die unmittelbare Erfahrung nur ein lauterzeugender und gestikulierender Automat; daß hinter dieser Wahrnehmbarkeit eine Seele steckt und welches die Vorgänge in ihr sind, können wir ganz allein nach der Analogie mit unserem eigenen Innern erschließen, das das einzige uns unmittelbar bekannte seelische Wesen ist. Andererseits wird die Kenntnis des Ich nur an der Kenntnis des Anderen groß, ja die fundamentale Zerfällung des Ich einen beobachtenden und einen beobachteten Teil kommt nur nach Analogie des Verhältnisses zwischen dem Ich und anderen Persönlichkeiten zustande. An den Wesen außeruns, die wir nur durch die Seelenkenntnis unser selbst deuten können, muß sich demnach eben diese Kenntnis selbst orientieren.“

Simmel, Georg (1900): Philosphie des Geldes. Frankfurt (Suhrkamp) Gesamtausgabe Bd. 6, (1989) S. 110.




2 Gedanken zu „33.2.3 Die Grundlage des gegenseitigen Verstehens und damit der Kommunikation von Menschen ist die Möglichkeit das Erleben eines anderen zu simulieren, d.h. selbst analog zum Erleben eines anderen zu erleben und/oder sein Denken nachvollziehen zu können (=Empathie/Perspektivübernahme).“

  1. Schm tz
    🙂

    … jetzt frag ich mich nur, wie ich den Weber-Grill wieder sauber kriegen soll,
    nach dem leckeren Zwiebeln aufm Rost braten

    Völlig logisch, speziell beim jungen Gemüse,
    … ohne ein Paar Tränen geht’s halt nicht ab

Schreibe einen Kommentar