33.3 Jede Kommunikation besteht aus vier Elementen: dem (a) mitteilenden Verhalten, dem (b) mitgeteilten Inhalt der Mitteilung (=mitgeteilte Information), dem (c) verstandenen Inhalt (=verstandene Information) und dem (d) Verhalten, das signalisiert, dass verstanden worden ist bzw. so gedeutet wird.

Wenn man, wie Niklas Luhmann das tut (s. unten), Kommunikation als eine Operation definiert, bei dem es zur Koordnination mehrfacher Selektionen kommt, so wird deutlich, dass es sich beim Kommunizieren nicht um die Handlung eines Individuums handelt (es sei denn, man denkt daran, dass jeman auch mit sich selbst kommunizieren kann; in dem Fall hat er dann die Funktion dessen inne, der etwas mitteilt und dann – in einem zweiten Schritt – versteht).

 

Literatur:

[Zu Kommunikation:] „Sie kommt zustande durch eine Synthese von drei verschiedenen Selektionen – nämlich Selektion einer Information, Selektion der Mitteilung dieser Information und selektives Verstehen oder Missverstehen dieser Mitteilung und ihrer Information. Keine dieser Komponenten kann für sich allein vorkommen. Nur zusammen erzeugen sie Kommunikation. Nur zusammen – das heißt, nur dann, wenn ihre Selektivität zur Kongruenz gebracht werden kann. Kommunikation kommt deshalb nur zustande, wenn zunächst einmal eine Differenz von Mitteilung und Information verstanden wird. Das unterscheidet sie von bloßer Wahrnehmung des Verhaltens anderer. Im Verstehen erfasst die Kommunikation einen Unterschied zwischen dem Informationswert ihres Inhalts und den Gründen, aus denen der Inhalt mitgeteilt wird. Sie kann dabei die eine oder die andere Seite betonen, also mehr auf die Information selbst oder mehr auf das expressive Verhalten achten. Sie ist aber immer darauf angewiesen, dass beides als Selektion erfahren und dadurch unterschieden wird. Es muss, mit anderen Worten, vorausgesetzt werden können, dass die Information sich nicht von selbst versteht und dass zu ihrer Mitteilung ein besonderer Entschluss erforderlich ist. Und das gilt natürlich auch, wenn der Mitteilende etwas über sich selbst mitteilt. Wenn und soweit diese Trennung der Selektionen nicht vollzogen wird, liegt eine bloße Wahrnehmung vor. Es ist von erheblicher Bedeutung, an dieser Unterscheidung von Kommunikation und Wahrnehmung festzuhalten, obwohl, und gerade weil die Kommunikation reiche Möglichkeiten zu einer mitlaufenden Wahrnehmung gibt. Aber die Wahrnehmung bleibt zunächst ein psychisches Ereignis ohne kommunikative Existenz. Sie ist innerhalb des kommunikativen Geschehens nicht ohne weiteres anschlussfähig. Man kann das, was ein anderer wahrgenommen hat, nicht bestätigen und nicht widerlegen, nicht befragen und nicht beantworten. Es bleibt im Bewusstsein verschlossen und für das Kommunikationssystem ebenso wie für jedes andere Bewusstsein intransparent.“

Luhmann, N. (1988): Was ist Kommunikation? In: F. B. Simon (Hrsg.)
(1997): Lebende Systeme. Wirklichkeitskonstruktionen in der systemischen
Therapie. Frankfurt (Suhrkamp), S. 21.




5 Gedanken zu „33.3 Jede Kommunikation besteht aus vier Elementen: dem (a) mitteilenden Verhalten, dem (b) mitgeteilten Inhalt der Mitteilung (=mitgeteilte Information), dem (c) verstandenen Inhalt (=verstandene Information) und dem (d) Verhalten, das signalisiert, dass verstanden worden ist bzw. so gedeutet wird.“

  1. @“Jede Kommunikation besteht aus vier Elementen: dem (a) mitteilenden Verhalten, dem (b) mitgeteilten Inhalt der Mitteilung (=mitgeteilt Information), dem (c) verstandenen Inhalt“

    Richtig?

    Entweder: DREI Elementen; oder: (d) ???

  2. @1: Gut, dass Sie aufpassen. Habe das korrgiert. Weiss auch nicht, warum manchmal Teile der Sätze fehlen…

  3. @2 „Weiss auch nicht, warum manchmal Teile der Sätze fehlen…“
    Der Fehlerteufel ist ein Eichhörnchen, und Eichhörnchen lieben harte Nüsse.

  4. @(d)

    Zwei Übersetzungen für „verhalen“ im Niederländisch-Deutsch-Wörterbuch:
    „ver·ha·len“1 = sich schadlos halten an +dat
    de schade op iem verhalen = jdn für den Schaden aufkommen lassen
    de kosten op iem verhalen = jdn für die Kosten verantwortlich machen
    „ver·ha·len“2 = erzählen, berichten

  5. @4: Erneut danke. Werde auch hier verstärkt suchen, wo das vermisste t geblieben ist und es zwangsweise auf seinen legitimen Platz verweisen.

Schreibe einen Kommentar