33.5.2 Unterschiedliche Interpunktionen der Interaktion eröffnen den Raum für unterschiedliche Bedeutungsgebungen zu den jeweils gegeneinander abgegrenzten Verhaltensweisen durch unterschiedliche Beobachter – z. B. die Teilnehmer an der Interaktion.

Aufgrund unterschiedlicher Interpunktionen wird es möglich höchst unterschiedlich Historien und unterschiedliche Kausalitäten zu konstruieren („post hoc propter hoc“). Das hat weitreichende  – manchmal fatale – Folgen für die Zuschreibung von Motiven, die das eigene wie fremde Verhalten erklären sollen.

Wenn iranische Revolutionsgarden eine ukrainische Linienmaschine abschießen (8. Januar 2020) und 176 Menschen in den Tod schicken, ist es dann angemessen, das Muster mit dem Start der Linienmaschine beginnen zu lassen, oder muss damit begonnen werden, dass zuvor der hochrangige Geneeral Soleimani durch eine US-Drohne getötet wurde (3. Januar 2020) und nach einem Vergeltungsangriff auf eine US-Militärbasis (8. Januar 202) nun mit einem amerikanischen Gegenschlag auf den Iran gerechnet werden musste… usw.




Ein Gedanke zu „33.5.2 Unterschiedliche Interpunktionen der Interaktion eröffnen den Raum für unterschiedliche Bedeutungsgebungen zu den jeweils gegeneinander abgegrenzten Verhaltensweisen durch unterschiedliche Beobachter – z. B. die Teilnehmer an der Interaktion.“

  1. Das Muster scheint in diesem Fall darin zu bestehen, dass beide Seiten davon ausgehen, sich nicht an die Regeln (das Recht, die Vernunft) halten zu müssen. In einer solch emotionalisierten Situation geschehen unüberlegte Aktionen, die unüberlegte Reaktionen und unüberlegte Gegenreaktionen auslösen: die bekannte Spirale von Gewalt und Gegengewalt – ob der Krieg nun unausgesprochen geführt oder offiziell erklärt wird.

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