33.5.4 Unterschiedliche Interpunktionen der Interaktion durch die Teilnehmer an der Kommunikation bilden eine Grund lage für gegenseitiges Nicht-Verstehen und die Ent stehung von Konflikten.

Wie soll man sich auch gegenseitig verstehen, wenn in unterschiedlichen Geschichten lebt…Wenn es in diesen Geschichten um Interessensgegensätze geht, die sich gegenseitig ausschließen, und gegenseitiges feindseliges Verhalten legitimieren (z.B. beide „verteidigen sich lediglich gegen die Aggressionen der anderen Partei“), so kommt es zum Konflikt (s. Sätze 67ff.).

Hinzu kommt, dass Historie immer retrospektiv konstruiert wird, d.h. es geht immer um die Konstruktion einer gegenwärtigen Vergangenheit. Ihre Bedeutung – und damit Interpunktion – ist immer so konstruiert, dass sie einen Nutzen für die aktuelle Gegenwart gewinnt, sei es als Legitimation für früheres oder aktuelles Verhalten.

 

Literatur:

„Ein großer Teil der Sinngebung im Selektionsprozeß kann verstanden werden als das Schreiben von plausiblen Rechenschaftsberichten. Geschichten und Sequenzen für die Gestaltung. Mehrdeutigkeit wird beseitigt, wenn die Gestaltung mit einer Geschichte beliefert wird, welche sie hervorgebracht haben könnte.

(…)

Verhalten ist nicht zielgeleitet, sondern zielinterpretiert. In jedem von diesen Fällen geht die Wirkung der Ursache , die Reaktion dem Reiz, der Output dem Input voraus. Wirkungen, Reaktionen, Outputs sind Vorwände, um die Vergangenheit zu. durchforschen und plausible Ereignisse zu entdecken, welche sie produziert haben könnten. In jedem von diesen Fällen wird das Projekt sinnaft verständlich gemacht, wenn ihm eine Geschichte zugeschrieben wird, aber die Geschichte wird konstruiert, nachdem das Projekt abgeschlossen ist, nicht vorher.“

Weick, Karl (1969): Der Prozeß des Organisierens. Frankfurt (Suhrkamp), 1985, S. 278f.




Ein Gedanke zu „33.5.4 Unterschiedliche Interpunktionen der Interaktion durch die Teilnehmer an der Kommunikation bilden eine Grund lage für gegenseitiges Nicht-Verstehen und die Ent stehung von Konflikten.“

  1. Die einen nennen es Geschichtsfälschung, die anderen Mystifikation, die nächsten schwammiges Gedächtnis.

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