33.6.2 Übernahme der Perspektive des Interaktionspartners: Der Beobachter ist in der Lage, sich in die Position des anderen zu versetzen und dessen Erleben mit- oder nachzufühlen bzw. vorwegzunehmen.

Dass es unterschiedliche Geschwindigkeiten bei der Perspektivübernahme gibt, zeigt die jeweils von Selman angegebene Altersspanne, in der sie erfolgt. Außerdem ist zu bedenken, dass die zeitlich Abfolge von Niveaus nicht bedeutet, dass es keinen Rückgriff (oder Rückfall) auf frühere Niveaus gibt. Das nach dem Niveau der Egozentrik folgende Niveau ist eines, in dem Reziprozität denk- und beobachtbar wird (Niveau 2).

 

Literatur:

„Niveau 2

Selbstreflexive/Zweite Perosn- und reziproke Perspektivübernahme (ungefähr 7 – 12 Jahre)

(…)

Vorstellungen von Beziehungen: Reziprok. Da das Kind auf Niveau 2 die Einzigartigkeit der geordneten Menge von Werten und Zielen jedes Einzelnen anerkennt, betrachtet es die Unterschiede zwischen Perspektiven relativistisch. Das Charakteristikum dieses Niveaus ist eine neue zweiseitige Reziprozität. Sie ist eine der Gedanken und Gefühle, nicht mehr nur eine der Handlungen. DAs Kind versetzt sich an die Stelle des Anderen und realisiert, daß der Andere dies ebenso tun wird. Rein mechanisch, logisch betrachtet, erkennt das Kind nur die Möglichkeit des infiniten Regressses der Perspektivübernahme (Ich weiß, daß er weiß, daß ich weiß, daß er weiß…). Auch erkennt das Kind, daß die Unterscheidung zwischen äußerer Erscheinung und innerer Realität die Möglichkeit, andere über die eigene Seelenlage zu täuschen, impliziert.“

Selman, Robert L. (1980): Die Entwicklung des sozialen Verstehens. Frankfurt (Suhrkamp) 1984, S. 51f.




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