33.6.4 Es ist nicht zwangsläufig, dass ein Individuum im Laufe seiner Sozialisation diese Entwicklungsstufen durchläuft, das heißt, er kann als Beobachter auf jeder dieser Stufen bzw. ihrer Perspektive verharren.

Es ist nicht nur möglich, dass ein Individuum nicht die Niveaus 3 und 4 erreicht, es ist auf jeden Fall auch nicht notwendig, in der westlichen Gegenwartsgesellschaft diese Niveaus zu erreichen. Es gibt genügend Beispiele, dass mit einer kaum über die Egozentrik hinaus gelangten sozialen Kognition in Unternehmen oder in der Politik Karriere gemacht werden kann. Und das Niveau 2 reicht allemal, wenn man menschliche Beziehungen – wie das ein amerikanischer Präsident in jüngster Zeit propagiert – als Sammlung von „Deals“ zwischen jeweils zwei Parteien betrachtet.

Ein kritischer Punkt gegenüber der Selmanschen Konzeptualisierung. In bester Tradition der psychologischen Forschung – speziell der Psychoanalyse – liegt der Schwerpunkt auf der Konzeptualisierung bzw. der Untersuchung der individuellen Konzeptualisierung von dyadischen Beziehungen. Aber die Komplexität von Mehrpersonensystemen kann nicht durch die Addition von Zweierbeziehungen erreicht werden. Die eigene Position in einem größeren sozialen System – schon die Familie gehört dazu – einzuschätzen, ist eine weit größere Herausforderung für die soziale Kognitition als dies in den empirischen Studien deutlich wird.




Ein Gedanke zu „33.6.4 Es ist nicht zwangsläufig, dass ein Individuum im Laufe seiner Sozialisation diese Entwicklungsstufen durchläuft, das heißt, er kann als Beobachter auf jeder dieser Stufen bzw. ihrer Perspektive verharren.“

  1. @“soziale Kognitition“

    Soziale Kognition https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/soziale-kognition/14518
    Soziale Kognition ist in der Sozialpsychologie eine Kognition, insoweit sie von Individuen derselben Art beeinflusst wird. Manche Forscher schränken die Definition auf Informationen ein, die sich auf die sozialen Beziehungen des Individuums beziehen. Bei Menschen gehören die Versuche, sich möglichst genaues Wissen über seine Umwelt zu verschaffen, neben einer konsistenten Ich-Identität und einem akzeptablen Selbstwertgefühl, zu den grundlegendsten Motiven des Verhaltens. […] In den allermeisten Fällen ist dem Individuum der soziale Einfluss auf seine Kognitionen nicht bewusst. Ein typisches Beispiel ist die Bildung von Schemata und Stereotypen, die das normale, „automatische“ Funktionieren in alltäglichen Situation ermöglichen. https://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Kognition

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