34.1 Der Produktion von Lauten kann wie jedem anderen beobachtbaren Verhalten Bedeutung zugeschrieben werden.

„WAISMANN: Die Bedeutung eines Wortes ist die Art seiner Verwendung. Wenn ich einem Ding einen Namen gebe, so stelle ich damit nicht etwa eine Assoziation her zwischen dem Ding und dem Wort, sondern ich deute eine Regel für die Verwendung dieses Wortes an. Die sogenannte »intentionale Beziehung« löst sich in solche Regeln auf. In Wirklichkeit liegt hier gar keine Beziehung vor, und wenn man von einer solchen spricht, so ist das nur eine unglückliche Redewendung.

WITTGENSTEIN: Ja und nein. Das ist eine komplizierte Sache. In gewwissem Sinn kann man schon sagen, daß eine Beziehung vorliegt. Es ist nämlich eine Beziehung von genau derselben Art, wie die zwischen zwei Zeichen, die in einer Tabelle nebeneinander stehen. Ich deuten z.B. mit dem Arm auf Sie und auf mich und sage: Herr Waismann, Herr Wittgenstein. (?)

Ich könnte ja auch einen Kalkül verwenden, in dem Herr Meier und Herr Waismann vertauschbar sind und die Fruchtgasse und der Stefansplatz, etwa so wie 3 x 5 und 15 vertauschbar sind.

Das, was ich mit den Wörtern der Sprache mache (indem ich sie verstehe), ist genau dasselbe wie das, was ich mit dem Zeichen im Kalkül mache. Ich operiere mit ihnen. Daß ich im einen Fall Handlungen ausführe, im anderen nur die Zeichen hinschreibe oder auslösche etc., ist ja kein Unterschied: denn auch das, was ich im Kalkül mache, ist eine Handlung. Hier gibt es keine scharfe Grenze.“

Wittgenstein, Ludwig (1967): Werke, Bd. 3, (aus einem Gespräch mit Friedrich Waismann 21. September 1931), Frankfurt (Suhrkamp) 1984, S. 169.




2 Gedanken zu “34.1 Der Produktion von Lauten kann wie jedem anderen beobachtbaren Verhalten Bedeutung zugeschrieben werden.”

  1. Gestern: Mit einer Flasche Obstler wortlos meinem Uuuäääh-Gefühl nachhängend, wurde es im Verlauf doch noch ein innerlich lauter Abend.
    Frage: Warum müssen alte Männer in Duschen von Sportanlagen ihr Wohlgefallen am Reinigungsvorgang immer durch laute Schnauf-, Ächz- oder Aaah-Laute zum Ausdruck bringen?
    Hinteergrund: Auch die unfreiwilligen Bewohner der kleinen karibischen Gemeinde Guantanamo wurden jahrelang durch laute Foltermusik traktiert.
    Dazu hörte ich „Enjoy the Silence“ von Depeche Mode https://www.youtube.com/watch?v=aGSKrC7dGcY
    Word like violence break the silence
    Words are very unnecessary, they can only do harm
    Words are trivial
    Words are meaningless and forgettable

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