34.5.1 Eine Sprache ist definiert (=unterscheidet sich von anderen) durch ihre Spielregeln.

Von  Ludwig Wittgensteins stammt das Konzept des „Sprachspiels“. Er vergleicht Sprechen mit dem Spielen eines Spiels mit charakteristischen Regeln. Sein Nachlassverwalter, Georg Henrik von Wright, hat dieses Konzept weiterentwickelt. Auf err betrachtet Sprechen analog zum Spielen eines Spiels, und die Regeln der Grammatik einer spezifischen Sprache als Analogon zu den Regeln eines bestimmten Spiels. Diese Konzeptualisierung fügt sich nahtlos in eine Verständnis sozialer Systeme als Kommunikationssysteme. Sie ermöglicht auch unterschiedliche Sprachen mit unterschiedlichen Grammatiken (und damit auch Denkweisen) miteinander zu vergleichen.

 

Literatur:

„Wir betrachten die Sprache unter dem Gesichtspunkt des Spiels nach festen Regeln. Wir vergleichen sie mit so einem Spiel, messen sie an ihm.

Wittgenstein, Ludwig (1969): Philosophische Grammatik. In. ders. (1984) Werke, Bd. 3, Frankfurt (Suhrkamp), S. 77.

„Den Zügen eines Spiels als Mustern entsprechen die Muster des richtigen Sprachgebrauchs. Dem Spiel bzw. der Tätigkeit des Spielens entsprechen die Sprache bzw. die Tätigkeit des (mündlichen oder schriftlichen) Gebrauchs einer Sprache. Hält sich jemand nicht an die Regeln, der Grammatik, so heißt es von ihm, dass er nicht richtig spricht bzw. daß er eben nicht diese Sprache spricht. Die Gründe, das eine oder das andere zu sagen, sind genau die gleichen, wie wenn man von jemandem sagt, daß er ein Spiel nicht richtig spielt bzw. das betreffende Spiel überhaupt nicht spielt. Die Regeln der Grammatik besitzen jedoch eine weitaus größere Flexibilität und Veränderbarkeit als die Regeln eines Spiels. Sie befinden sich in einem ständigen Umbildungsprozeß.“

Wright, Georg Henrik von (1963): Norm und Handlung. Eine logische Untersuchung. Königstein (Scriptor Verlag) 1979, S.23.

„We all have systems of concepts  that we use in thinking, but we connot consciously inspect our conceptual inventory. We all draw conclusions instantly in conversation, buw we connot consciously look at each inference and our own inference-drawing mechanisms while wie are in the act of inferring on al massive scale second by second. We all speak in a language that has a grammar, but we do not consciously put senteces together word by word, checking consciously that we are following the grammatica rules of our language. To us, it seems easy We just talk, and listen, and draw inferences without effort. But what goes on in our minds behind the scenes is enormously complex and largely unavailable to us.“

Lakoff, George, Rafael E.  Núnez (2000): Where Mathematics Comes From. New York (Basic Books), S. 27.




3 Gedanken zu „34.5.1 Eine Sprache ist definiert (=unterscheidet sich von anderen) durch ihre Spielregeln.“

  1. Selbst wenn sich jemand nicht an die Spielregeln der Sprache (Rechtschreibung, Zeichensetzung, Wort- und Satzbildung) hält, verstehen wir ihn (oder versuchen es zumindest) und sprechen mit ihm (auch schriftlich).
    Das scheint mir der Sinn (bzw. die Intentionalität) der vielen Tippfehler zu sein.

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