34.5.2 Spielregel heißt: Es werden spezifische Muster der Interaktion (beim Sprechen: Muster des Gebrauchs von Lauten und der Reaktion anderer auf diese Laute) wiederholt in Szene gesetzt.

Man muss zwischen der Sprache und dem Sprechen unterscheiden. Die Sprache – wie etwa das Alt-Griechisch – kann in seiner Grammatik, d.h. in abstrakten Regeln der Konstruktion von Sätzen etc., analysiert werden. Und sicher können daraus auch Hypothesen abgeleitet werden, wie die alten Griechen gedacht haben mögen.

Ganz anders ist die Situation, in der aktuell gesprochen wird. Sie kreiert ein soziales System, d.h. sie hat nicht nur in Bezug auf den kommunizierten explizitern Inhalt Bedeutung, sondern auch für die Beziehung der Beteiligten, ihre Weltsicht, für ihre Aktionen und Interaktionen, für die Beziehungen, welche die Beteiligten zueinander entwickeln und definieren usw., mit anderen Worten: Das (miteinander) Sprechen ist gesellschaftliche Praxis, es reproduziert das soziale System, in dem es stattfindet, es setzt die Autopoiese fort.

 

Literatur:

„Die Sprache ist dasjenige, in welchem die Erfahrung und das Wissen vegangener Generationen beschlossen und festgehalten sind. Selbstverständlich als Sprache, die zugleich Denken ist, als System der materiellen Träger bestimmter Regeln, die mit bestimmten Lauten oder anderen materiellen Trägern bestimmte Bedeutungen verbinden. Eben in diesem Sinne ist die Sprache gleicchsam eine kondensierte Praxis, die auf diesem suggestiven und einfachsten Weg in unsere aktuelle Erkenntnis eindringt.“

Schaff, Adam (1964): Spracche und Erkenntnis. Hamburg (Rowohlt) 1974, S. 162.




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