34.6 Sprechen als Formung von Lauten kann in andere Zeichensysteme übersetzt werden (z. B. in Schrift, Morsezeichen, Codierungen unterschiedlicher Art), was seine Funktion als Medium der Kommunikation über den Bereich der Face-to-face-Kommunikation hinaus auf Fernkommunikation (= Raum und Zeit überbrückend) erweitert.

In der Face-to-face-Kommunikation ist Sprache nicht unbedingt notwendig. Mimik, Gestik usw. reichen, um eine basale Koordinatin der Verhaltensweisen zu gewährleisten. Alle Verhaltensweisen, die als Körpersprache oder Ausdrucksverhalten bezeichnet werden, brauchen keine Worte. Das Problem dabei ist, dass Kommunikation an die körperliche Anwesenheit der Teilnehmer an der Kommunikation gebunden ist.

Durch die Erfindung der Sprache ist diese Beschränkung durchbrochen worden. Denn sprachliche Mitteilungen lassen sich in andere Codes übersetzen, z.B. in Schrift. Dadruch lassen sich zeitliche und räumlcihe Abstände zwischen den Kommunikationsteilnehmern überbrücken.  Man schreibt Briefe und Bücher, twittert, schickt sich WhatsApp-Nachrichten oder eine Flaschenpost. Und: Man kann gleichzeitig viele potenzielle Empfänger der Nachrichten erreichen, mit denen man nicht nur nicht in einem Raum zur selben Zeit sein muss, sondern die man auch überhaupt nicht kennen muss.

Wenn Fernkommunikation stattfindet – das ist eine Nebenwirkung – ist auch nur schwer zu kontrollieren, wer eine Mitteilung erhält. Es muss ja nicht der Adressat sein: „Feind hört (möglicherweise) mit!“ So entsteht der Bedarf, Geheimsprachen zu entwickeln und Nachrichten zu verschlüsseln…

Wenn Sprache als Kommunikationsmedium verwendet wird – ein weiterer Nebeneffekt -, kann auch Gott mit den Menschen (fern-) kommunizieren: Er sendet Engel, die in seinem Namen sprechen und (z.B.) Maria verkünden, was ihr – wahrscheinlich ja ziemlich unerwartet – in den nächsten Monaten bevor steht, oder er offenbart Moses seine Gebote, die dann zwecks Überwindung zeitlicher Differenzen auf Steintafeln verewigt werden; und dem Propheten diktiert er ein Buch, das auf diese Weise etliche Jahrhunderte später salafistische Taxifahrer in Berlin ihren Gästen zum Geschenk machen können.

 

Literatur:

„Die US-Streitkräfte haben, wie aus soeben freigegenen Dokumenten hervorgeht, im Zweiten Weltkrieg ihre um Entsschlüsselung des Funkverkehrs bemühten Gegner mit einem Code besonderer Art überlistet. Sie setzten 420 Indianer vom Stamm der Navajos an die Funkgeräte, damit sie Funknachrichten in ihrer Sprache weitergaben, die außer den Indianern selbst nur noch 28 anderen Menschen geläufig war. Deutsche und japanische Experten, die vorsorglich Indianersprachen erlernt hatten, konnten mit dem Navajo-Dialekt nichts anfangen. Mit Hilfe des Navajo-Codes gelng es den US.Streitkräften von den Salomon-Inseln bis nach Okinawa vorzurücken. Da es den Navajos weitgehend an militärischen Begriffen mangelte, mußten sie Bezeichnugnen »erfinden«, so beispielsweise »große Gewehre« für Artillerie oder »kleine Gewehre schießen schnell« für Maschinengewehre.“

Aus: Frankfurter Rundschau, 3. 9. 1981.




2 Gedanken zu „34.6 Sprechen als Formung von Lauten kann in andere Zeichensysteme übersetzt werden (z. B. in Schrift, Morsezeichen, Codierungen unterschiedlicher Art), was seine Funktion als Medium der Kommunikation über den Bereich der Face-to-face-Kommunikation hinaus auf Fernkommunikation (= Raum und Zeit überbrückend) erweitert.“

  1. @“auch Gott [kann] mit den Menschen (fern-) kommunizieren“
    Glauben Sie eigentlich auch an den Weihnachtsmann?

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