35.1 Das Kind wird mit seiner Geburt Teilnehmer an einem sozialen System und mit dessen Spielregeln der Inter aktion, zu denen auch das Sprechen gehört, konfrontiert.

Die Geburt ist zwar der Beginn des sozialen Lebens, d.h. der aktiven Teilnahme an Kommunikation, das heißt aber nicht, dass sie auch der Beginn der Sprachentwicklung wäre. Denn es gibt Belege dafür, dass das Kind auch intrauterin sprachliche Reize – speziell das Sprechen der  Mutter – wahrnimmt und auf sie reagiert. Es kann schon kurz nach der Geburt, wie Experimente zeigen, das Sprechen der Mutter von dem anderer Personen unterscheiden. Es ist also gut vorbereitet, sich in das familiäre Kommunikationssystem einzufügen.

Das Fehlen dieser Vorbereitung dürfte ein bislang wenig reflektiertes Problem für Adoptivkinder darstellen, selbst wenn die Adoption gleich nach der Geburt erfolgt.

Nach der Geburt bemühen sich – offenbar, ohne dass es ihnen jemand explizit beigebracht hätte – die meiten Erwachsenen durch im Ton erhöhte „Babysprache“ dem Neugeborenen den Anschluß an das Kommunikationssystem zu erleichtern. Sie werden auf diese Weise besser vom Kind gehört und gewinnen seine Aufmerksamkeit.

 

Literatur:

„Schon im Mutterleib ist das werdende Kind den Sprachschallereignissen seiner Umgebung ausgesetz. (…) Doch kann der pränatale Spracherwerb helben, einige erstaunliche Beobachtungen zu erklären, die die Sprachschallwahrnehmung des Säuglings betreffen.

Erstens: Säuglinge bevorzugen die mütterliche Stimmer vor anderen. Man wies dies mittels der Saugratenmessung nach. Durch unerschiedlich intensives Nuckeln an einem entsprechend präparierten Sauger hatten die Säuglinge die Möglichkeit, entweder die Stimme ihrer Mutter oder die einer anderen Frau von einem Band abzurufen. Sie lernten,  die mütterliche Stimme zu aktivieren, und sie aktivierten die mütterliche Stimme signifikant häufiger als die andere Stimme. Dabei erwies es sich als wichtig, dass diese Stimme mit normaler Intonation präsentiert wurde (…)

Zweitens: Neugeborene erkennen eine Geschichte wieder, die ihne während der Schwangerschaft  vorgelesen wurd. (…)

Drittens: Die Bevorzugung der mütterlichen Stimmedurch das Neugeborene entsteht nicht in den ersten Tagen nach der Gebeurt, sondern wird pränatal angelegt. Zwei Tage alte Säuglinge hörten die mütterliche Stimme in einer normalen Version und in eienr Version, die den Eigenschaften des Sprachschalls, wie der Fötus ihn im Uterus hört, angepasst war: nämlich durch Unterdrückung der Frequenzen über 500 Hz und ein dazugespieltes Herzschlaggeräusch. Die Säuglinge bevorzugten diese zweite Versin, woraus geschlossen werden kann, dass dies die ihne vertraute War, die Präferenz der mütterlichen Stimemr also pränatal entwickelt wird.

Viertens: Säuglinge können ihre Muttersprache von einer Fremdsprache unterscheiden. (…)

Fünftens: Säuglinge können nicht generell zwischen zwei ihnen unbekannten Fremdsprachen unterscheiden. (…)

Sechstens: Säuglinge profitieren davon, wenn man sie mit einer höheren (als der  »natürlichen«) Stimmer anspricht. Zwar sind Säuglinge mit gedämptem Sprachschall vertraut, aber sie nehmen Sprachschall, der durch eine Erhöhung der Grundfrequenz intensiviert wird, besser wahr, denn sie haben eine höhere Hörschwelle als Erwachsene. (…)

Siebtens: Obgleich Informationen über Einzellaute, wie wir gesehen haben, im pränatalen Sprachschall schlecht repräsentiert sind, können Säuglinge schon im ersten Lebensmonat akustische Kontraste, die für die Unterscheidung von Phonemen relevant sind, unterscheiden. (…)“

Dittmann, Jürgen (2002): Der Spracherwerb des Kindes. München (C. H. Beck), S. 15f.

 

 




6 Gedanken zu „35.1 Das Kind wird mit seiner Geburt Teilnehmer an einem sozialen System und mit dessen Spielregeln der Inter aktion, zu denen auch das Sprechen gehört, konfrontiert.“

  1. und lange bevor Kinder sprechen können verstehen sie gesprochene Worte, insbesondere Aufforderungen ..

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