35.2 Das Kind assoziiert charakteristische Lautformen mit spezifischen sozialen Kontexten, d. h. mit Interaktionsformen/Szenen (= Sprachspielen).

Die versorgende Person (meist die Mutter) spricht mit dem Kind in einer für das Kind und sein noch nicht voll entwickeltes Sensorium gut verständlichen Sprache („Ammensprache“), und das tut sie nicht nur einmal, sondern regelmäßig und wiederholt. Diese Laute sind daher mit Versorgungs-Interaktionen (vom Stillen bis zum Windeln) für das Kind gekoppelt (= assoziiert). Dabei gewinnen die Worte für das Kind noch keine denotative Bedeutung, sondern sie bezeichnen – aus der Außenperspektive des Beobachters 2. Ordnung gesehen – eine Beziehung und ein Interaktionsmuster: die Mutter-Kind-Beziehung und -Interaktion. Daher ist bei der vom Kind vorzunehmenden Bedeutungsgebung vor allem wichtig für das Kind, die Stimme der Mutter und ihre Sprache (= Muttersprache) von allen anderen Stimmen und Sprachformen, die es ebenfalls noch hören kann, zu unterscheiden. Wenn es, wie die Spracherwerbsforschung zeigt, für andere Stimmen und Sprachen als die der Mutter „desensibilisiert“ wird, so ist es zu einer Selektion (durch Ausschluß) aus der Variation der hörbaren Stimmen gekommen.

 

Literatur:

„Der frühe Spracherwerb ist also nicht als Sensibilisierung des Säuglings für spracspezifische Unterscheidungen der Muttersprache zu verstehen, sondern als Desensibilisierung von Unterscheidungsmöglichkeiten, die der Säugling zunächst hat, die aber für die Muttersprache nicht relevant sind (…). Als Erwachsene tun wir uns deshalb mit der Unterscheidung von Phonemen in Fremdsprachen schwer, die in unserer Muttersprache nicht vorkommen.“

Dittmann, Jürgen (2001): Der Spracherwerb des Kindes. München (C. H. Beck) 3. völlig überarbeitete Aufl. 2010, S. 19.

 




Ein Gedanke zu „35.2 Das Kind assoziiert charakteristische Lautformen mit spezifischen sozialen Kontexten, d. h. mit Interaktionsformen/Szenen (= Sprachspielen).“

  1. „Kindheit und Jugend auf Samoa“ (englischer Originaltitel: „Coming of Age in Samoa“) ist eine Monografie der amerikanischen Ethnologin Margaret Mead. Sie beruht auf ihrer Forschungsarbeit zur Adoleszenz, insbesondere der Adoleszenz von Mädchen auf der samoanischen Insel Ta’u. Mead befasst sich mit den Einzelheiten des sexuellen Verhaltens Jugendlicher in der Gesellschaft Samoas zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie verdeutlicht darin ihre Auffassung, dass in erster Linie kulturelle Gegebenheiten und nicht die biologischen Grundlagen die psychosexuelle Entwicklung Jugendlicher bestimmen.
    Die Veröffentlichung im Jahre 1928 machte Mead zur berühmtesten Ethnologin ihrer Zeit. Bis heute ist es Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen und gilt als Standardwerk der Kultur-Natur-Kontroverse, wie auch für Themenbereiche der Familiensoziologie, der Adoleszenz- und Genderforschung, der sozialen Normen und Einstellungen.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Kindheit_und_Jugend_auf_Samoa

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