35.2.2 Durch die verschiedenen körperlichen Kopplungen (= Assoziationen) mit Interaktionsmustern werden die Interaktionsmuster vom Kind affektiv bewertet.

Wenn es z.B. gestillt oder auch nicht gestillt wird, friert, Blähungen oder Schmerzen hat oder auch nur müde ist – alles das wird affektiv bewertet und mit Interaktionsformen assoziiert, da das Kind nicht in der Lage ist, diese Zustände selbst – außer durch Teilnahme an Kommunikation – zu verändern. So bildet das Erleben von Affekten die Grundlage des Bewusstseins (auch wenn sich daran niemand mehr erinnert).




Ein Gedanke zu „35.2.2 Durch die verschiedenen körperlichen Kopplungen (= Assoziationen) mit Interaktionsmustern werden die Interaktionsmuster vom Kind affektiv bewertet.“

  1. @“So bildet das Erleben von Affekten die Grundlage des Bewusstseins“

    „Mit der Differenzierung des gesellschaftlichen Gewebes wird auch die soziogene, psychische Selbstkontrollapparatur differenzierter, allseitiger und stabiler.“
    Norbert Elias „Über den Prozeß der Zivilisation“, zweiter Band, 1969

    Dieser Differenzierungprozess verläuft etwa so: Im Frühmittelalter nimmt sich noch jeder, was er braucht, mit Gewalt. Es herrscht Naturalwirtschaft, die Menschen sind noch kaum aufeinander angewiesen, denn die Ritter sind frei, und die Bauern gehören den Rittern, und wer nicht spurt, bekommt aufs Maul. Das ändert sich mit dem allmählich wachsenden Verflechtungsgrad: Die Völker werden sesshaft, die Städte stärker, die Technik entwickelt sich, das Geld spielt eine immer größere Rolle, und der ehedem freie Ritter wird zum Söldner. Er muss, wie alle anderen auch, planen, langfristig denken, sich einfügen: „die geregelte Bewältigung aller kurzfristigen Affekte“ nennt Elias, was aller Zivilisation zugrunde liegt.
    Dafür erwartet der Mensch freilich Entlohnung, und je weniger er dafür bekommt, wenn er beim Essen nicht mehr in die Suppe furzt, desto übler wühlen die Affekte in ihm weiter. Deswegen weidet sich die Plebs an brennenden Ketzern und zu Tode gefolterten Hexen, und fast wollen wir der Kulturindustrie dankbar sein, dass sie diese Affekte im Folterroman kanalisiert; sofern wir uns nicht darüber beunruhigen, dass diese Affekte in dem, was wir doch alle Hochzivilisation nennen, ganz offenbar da sind und ein Millionenpublikum umtreiben. Wie ja auch ein nicht unerheblicher Teil der Zeitgenossen, ob auf der Autobahn, am Handy oder sonstwie im öffentlichen Raum, seinen Affekthaushalt immer weniger unter Kontrolle hat und in jenen Schulen, für die sich die Bildungsbeilagen nicht interessieren, geradezu frühmittelalterliche Zustände herrschen.
    Zivilisation ist da, wo die Affekte unter Kontrolle sind. Wo sie es nicht sind, haben wir eben keine Zivilisation. Sondern, so nennt es Elias, eine Kriegergesellschaft, deren Mittelalter- und Fantasy-Spleen auf diese Weise eine Erklärung erführe.

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