35.3.3 Die Regeln des Sprechens (der Sprache) werden durch Nachahmung erworben, d. h. sowohl sprachliche Äußerungen als auch die Merkmale des Sprechverhaltens wie Intonation, Rhythmus, Schnelligkeit, Färbung der Laute, Mundart etc.

Hier sind die Muttersprache sowie regionale Dialektunterschiede an erster Stelle zu nennen, aber auch die Gestik (man vergleiche, zum Beispiel, die Armbewegungen von Finnen und Itlienern beim Reden).

https://www.youtube.com/watch?v=_FT_meuSbRo

 

Literatur:

„Ein Schiff ist nicht weit von der Küste gesunken. Fast alle Passagiere ertrinken, aber ausgerechnet zwei Juden, beide Nichtschwimmer, können sich ans Land retten.

»Wie ist das möglich?« fragen alle verwundert.

»Als das Schiff sank«, erklären die zwei Juden, »waren wir gerade mitten im Gespräch, und dann haben wir einfach immerzu weitergeredet, bis wir am Ufer waren.«

Landmann, Salcia (1962): Jüdische Witze. München (dtv), S. 117f.

„Tochter: Pappi, warum fuchteln die Franzosen mit ihren Armen herum?

Vater: Was meinst Du?

T: Ich meine, wenn sie reden. Warum fuchteln sie mit ihren Armen herum und so?

V: Na ja – warum lächelst du? Und warum stampfst du manchmal mit dem Fuß auf?

T. Das ist doch nicht dasselbe, Pappi. Ich fuchtele nicht mit den Armen herum wie die Franzosen. Ich glaube nicht, daß die das lassen können, Pappi. Oder?

V: Ich weiß nicht – vielleicht fällt es ihnen sehr schwer, damit aufzuhören … Kannst du aufhören zu lächeln?

T: Aber Pappi, ich lächle doch nicht die ganze Zeit. Es fällt schwer, es zu lassen, wenn ich mich danach fühle. Aber ich fühle mich nicht die ganze Zeit danach. Und dann höre ich auf.

V: Das stimmt – aber dann fuchteln die Franzosen auch nicht die ganze Zeit in derselben Weise mit ihren Armen herum. Manchmal fuchteln sie so und manchmal so -, und ich glaube, manchmal hören sie auch damit auf. (…)“

Bateson, Gregory (1951): Metalog: Warum fuchteln die Franzosen? In: ders. (1972): Ökologie des Geistes. Frankfurt (Suhrkamp), S. 39.




2 Gedanken zu „35.3.3 Die Regeln des Sprechens (der Sprache) werden durch Nachahmung erworben, d. h. sowohl sprachliche Äußerungen als auch die Merkmale des Sprechverhaltens wie Intonation, Rhythmus, Schnelligkeit, Färbung der Laute, Mundart etc.“

  1. Bei der Bedeutung von Mimik und Gestik gibt es große kulturelle Unterschiede. Hier die heikelsten Missverständnisse, die sich aus unbedachtem Herumfuchteln ergeben können.
    Gestreckter rechter Arm: „Ah, tedesco!“, hört man in aller Welt freundlich. Sorgt für gute Stimmung in arabischen Ländern, wird aber mancherorts als schlichte Entspannungsübung missverstanden. In Frankreich: Aufforderung zum Geschlechtsverkehr.
    Erhobener Mittelfinger: Wird fast überall als Besserwisserei verstanden. Sollte man sich also gerade als Deutscher verkneifen. In Frankreich: Aufforderung zum Geschlechtsverkehr.
    Däumchendrehen: Wirkt in Italien, Österreich, Mallorca und Spanien so, als hätte man nichts zu tun („Typisch, diese stinkfaulen deutschen Touristen. Bloß hier zum Urlaubmachen!“). In Frankreich: Aufforderung zum Geschlechtsverkehr.
    Faust im Gesicht des Gegenüber: Vorsicht vor dieser Geste! Wird als versteckte Aggression aufgefasst. In Frankreich: Aufforderung zum sofortigen Geschlechtsverkehr.

  2. Samy Molcho, der Pantomime, hat einmal darüber berichtet, dass die Darstellung einer besonderen Handbewegungen einer seiner Vorstellungen in Südafrika ziemlich anders verstanden wurde als es in Frankreich oder Österreich zu erwarten gewesen wäre …

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