35.6.1 Durch die Variation der Kontexte, in denen ein Wort gebraucht wird, engt sich sein Bedeutungsfeld auf die konstant mit seiner Lautfolge assoziierten Wahrnehmungen ein, so dass im Extremfall ein einzelnes Wort irgendwann seinen konnotativen Hof verlieren und denotativ ein einzelnes Objekt oder eine konkrete Person benennen kann.

Wenn ein Gegenstand in unterschiedlichen Kontexten wahrgenommen wird und stets mit demselben Wort assoziiert wird, so kann am Ende des Selektionsprozesses die Benennung dieses Gegenstands stehen – im Extremfall ganz konkret: dieser eine unverwechselbare Gegenstand, der hier und jetzt sinnlich wahrnehmbar ist.

Wie dies am bereits zitierten Beispiel eines Balls für einen klienen Jungen aussieht, siehe unten (vgl. Satz 35.4.1).

 

Literatur:

„Der Ball existiert für es nicht mehr als verschwommene Einheit mit der umgebenden Situation und dem Selbst – wie etwa beim ganz kleinen Baby. Die Entstehung der Erkenntnsform »Ball« beruht auf der Erfahrung mit einem Ball und ncht auf dem Vergleich des einen mit anderen Bällen. Die Erkenntnisform entsteht aufgrund der Interaktion des Kindes mit der Welt und hängt nicht davon ab, ob das Objekt mit einem Wort bezeichnet wird oder nicht.

Als nächstes können andere Objekte hinzukommen:

Einige Aktivitäten sind hier dieselben wie bei Ball1 : werfen, rollen, hüpfen. Ort und Handelnde verschieden. Aber der Junge steht in derselben Beziehung zu den Funktionen des Balls wie die Mutter und Selbst.(…)

Zunächst werden vom Kind alle Informationen behalten, also auch z.B. wer mit dem Ball handelt, wo mit ihm gehandelt wird. Aber später werden nur die spezifisch das Objekt definierenden Tätigkeiten, wie »hüpft« und »rollt« als zur Erkenntnisformation »Ball« gehörend behalten. Das Kind lernt also im Laufe der Zeit, welche Funktionen für den Ball im Gegensatz zu anderen Objekten definierend sind.

Diese definierenden Aktivitäten des Objekts stellen dannden funktionalen Kern der Erkenntnisformation »Ball« dar; sie wirktten bei ihrer ursprünglichen Entstehung. Mit Hilfe der geistigen Konstruktion des funktionalen Kerns kööen neue Bälle in der Welt identifiziert werden, weil auch sie diese Funktionen mit Ball1 und Ball2 teilen.“

Szagun, Gisela (1980): Sprachentwicklung beim Kind. München (Urban & Schwarzenberg), S. 124f.

 




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