35.6.2 Die Bedeutungswandlung der Worte im Laufe des Spracherwerbs und der Ausdifferenzierung des Wortschatzes erfolgt von der Überdehnung (=Überinklusivität) zur Einengung des Bedeutungsfelds, vom Abstrakteren zum Konkreteren.

So werden zum Beispiel unterschiedliche Tiere von Kindern mit demselben Namen versehen (z.B. „Gagacks“ oder „Wauwaus“), bis sie erleben, dass es Gagacks gibt, die fliegen, und andere Gagacks, die schwimmen, oder Wauwaus, die wauwau machen und andere, die miau machen… D.h. im Sprachgebrauch werden de facto die beobachteten Objekte/Personen/Lebewesen aufgrund ihrer Prädikate (im logischen Sinn) miteinander identifiziert.

Siehe unten die Tabelle von Gisela Szagun, in der sie sich auf Studien von Clark (1973) bezieht.

 

Literatur:

„Am häufigsten geschahen Überdehnungen auf der Basis der Kriterien von Bewegung, Form, Größe, Ton. Es ist nicht immer klar, welches Kriterium dominiert, und manchmal wechseln auch die Kriterien bei einem Wort. Auffallend ist, daß Farbe kein kritisches Merkmal für das Kind darstellt. Überdehnung auf der Basis des Merkmals »Farbe« findet jedenfalls nicht statt.

 

Tabelle (…): Ein Beispiel der Überdehnugn und Restrukturierung.


Wort                           semantisches Feld                            mögliches kritisches Merkmal


Stufe I                 bow-wow                          Hund(e)                                              Form

Stufe II                bow-wow                         Hunde, Kühe, Pferde,                       Form

……………………………………………………………..Schafe, Katzen

Stufe III          (a) bow-wow                          Hunde, Katzen, Pferde, Schafe

………………….(b) moo                                    Kühe                                                  Ton (Hörner?)

Stufe IV          (a) bow-wow                          Hunde, Katzen, Schafe

………………….(b) moo                                   Kühe                                                      Ton

…………………(c) gee-gee                              Pferde                                                     Ton

Stufe V          (a) bow-wow/doggie            Katzen, Hunde                                      Größe

………………….(b) moo                                   Kühe

………………….(c) gee-gee/horsie                Pferde

………………….(d) baa                                    Schafe                                                     Ton

Sufe VI          (a) doggie                              Hunde

………………….(b) moo                                  Kühe

………………….(c) gee-gee/Horsie              Pferde

…………………(d) baa lamb                         Schafe

………………….(e) kitty                                Katzen                                                    Größe, Ton

Clark (1973) gibt qauch Beispiel, wie die Bedeutung eines überdehnten Wortes eingeengt, also spezifischer, wird. Dieser Prozeß muß geschehen, damit das Kind zu der Erwachsenenbedeutung kommt.“

Szagun, Gisela (1980): Sprachentwicklung beim Kind. München (Urban & Schwarzenberg), S. 115.

 

[Clark, E. (1973): Whats’s in a word? On the child’s acquisition of semantics in his first language. In: Moore, T. (Ed.):  Cognitive development and the acquisition  of language. New York (Academic Press)]




Ein Gedanke zu „35.6.2 Die Bedeutungswandlung der Worte im Laufe des Spracherwerbs und der Ausdifferenzierung des Wortschatzes erfolgt von der Überdehnung (=Überinklusivität) zur Einengung des Bedeutungsfelds, vom Abstrakteren zum Konkreteren.“

  1. @“Bedeutungswandlung“
    Kinder gehen gehen das Lernen des komplexen Kommunikationssystems Sprache multimethodisch an. Sie machen dabei schlaue Fehler, die zeigen, welche wiederkehrenden Muster sie bereits erkannt haben und erinnern können. Dabei handelt es sich nicht um Fehler, bei dem das Kind Wörter oder Wortteile widersinnig verwendet, sondern um die Anwendung von Mustern, die es häufig gehört hat und die es nun kreativ einsetzt, um etwas Neues auszudrücken.

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