35.8.2 Je abstrakter die Bedeutung eines Wortes, um größer und offener der Raum für konnotative Assoziationen, d.h. umso geringer die Festlegung, was konkret bezeichnet wird.

Das macht den Gebrauch von Worthülsen und abstrakten Begriffen bei politischen Verlautbarungen oder Beschlüssen – wie etwa Resolutionen des UN-Sicherheitsrats – so nützlich, da sie so vieldeutig sind, dass jeder sie so interpretieren kann, wie er das mag bzw. seinen Wählern gegenüber vertreten kann. Allerdings führt diese Einigung oft nur zu einem Scheinfrieden, da in dem Moment, wo es darum geht zu handeln, d.h. Entscheidungen über konkrete Aktionen getroffen werden müssen, die Widersprüche und die Uneinigkeit wieder bzw. zum ersten Mal deutlich werden.

Dieser Gebrauch ändert aber nichts an der Tatsache, dass das Knüpfen von Assoziationen grundlegend und unverzichtbar für kognitive Systeme – speziell die menschliche Psyche – ist. Allerdings ist es nicht vorgegeben, welche Assoziationen (=lose oder feste Kopplungen zwischen Bedeutungen) vollzogen werden. Es hängt vom Gebrauch in der Sprachgemeinschaft ab, aber auch von individuellen Faktoren, die ihre Wurzeln in der Geschichte des Individuums haben dürften.

 

Literatur:

„Der Faktoren nun, aus denen eine solche Association entsteht, und durch welche der Geist in solcher Weise von einer Vorstellung zu einer anderen hingeleitet wird, gibt es drei, nämlich Ähnlichkeit, umittelbarer zeitlicher und räumlicher Zusammenhang, und Ursache und Wirkung.“

Hume, David (1739): Ein Traktat über die menschliche Natur. Buch 1: Über den Verstand. Hamburg (Felix Meiner) 1989, S. 21.




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