35.9 Der im Vergleich zum Sprachgebrauch der umgebenden Sprachgemeinschaft (=soziales System) passende Bedeutungsumfang der gebrauchten Worte, Sätze und anderen Zeichen (=indication) wird im Laufe der Sozialisation/des Spracherwerbs durch die Fokussierung der Aufmerksamkeit in der Kommunikation erlernt (=selektiert).

Erneut die Fokussierung der Aufmerksamkeit in der Kommunikation und die Rückkopplung mit den „etablierten“ Vertretern der Sprachgemeinschaft bestimmt die Bedeutungsselektion. Dabei kann dieser Selektionsprozess in zwei Richtungen „schief“ gehen: (a) Wenn die Überdehnung der Begriffe erhalten bleibt und ihre Bedeutungsgebung z.B. zu generalisierend/abstrakt  ist; (b) wenn die Einschränkung der Bedeutung zu weit geht, d.h. wenn die Worte in einem zu engen/konretistischen Sinne verwendet werden.

Die erfolgreiche Nachahmung des Worgebrauchs durch das Kind setzt zumindest ansatzweise voraus, dass sich das Kind in die Rolle der anderen Teilnehmer an der Kommunikation versetzen kann, um zu verstehen, was sie meinen.

 

Literatur:

„Das »imitative Lernen« eines solchen Kommunikationsaktes, die erfolgreiche Übernahme des Gebrauchs eines sprachlichen  Ausdrucks, verlangt nach Tomasello, dass das Kind einen Rollenwechsel vollziehen kann: »Wenn ICH ANDERE auf den Hund aufmerksam machen will, dann muss ICH IHNEN gegenüber die Lautfolge ‘Wauwau‘ gebrauchen.« Bedeutungserwerb geht in dieser Sicht mit der Entwicklung der sozial-kognitiven Fähigkeit um den ersten Geburtstag herum einher, andere Mechanismen (…) müssen nach Tomasello nicht angenommen werden.“

Dittmann, Jürgen (2002): Der Spracherwerb des Kindes. München (C.H. Beck), völlig überarbeitete 3. Aufl. 2010, S.  43.

[Tomasello, Michael (2003): Constructing a Language. A Usage-Based Theory of Language Acquisition. Harvard (Harvard Univ. Press).]




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