36.1.1 Spiele sind durch Spielregeln definiert, die zum einen das Spielfeld beschreiben und zum anderen Gebote und Verbote festlegen, die den Freiraum des Verhaltens der Spieler begrenzen.

Die Definition eines spezifischen Spiels wird durch diese drei Typen von Regeln vollzogen. Und die Unterschiede zwischen unterschiedlichen Spieln (= sozialen Systemen) lässt sich anhand der Unterschiede dieser drei Typen von Regeln bestimmen.

Am Beispiel des Proporz-Wettlauf lassen sich die drei Regelarten illustrieren. Es wurde zunächst ein „Spielfeld“ – die „Rennbahn“ – festgelegt.

Dann wurden zwar nicht viele, sondern nur ein Gebot festgelegt: Laufen (im Kreis).

Verbote gab es eigentlich keine, da jeder starten und aufhören konnte, wann er wollte (ein offensichtlich sehr, sehr liberales Spiel), außer dass irgendwann für alle verbindlich das „Ende des Wettlaufs“ bestimmt wurde. Jetzt hätte zwar jeder weiter laufen können, aber das wäre dann nicht mehr Teil des Proporz-Wettlaufs gewesen.

Dass sich durch diese drei Regelarten unterschiedliche soziale Systeme bilden lassen, bedarf keiner weiteren Erläuterung.

Festzustellen ist aber noch, dass die Spielregeln sozialer Systeme nicht immer durch irgendwelche Brachvögel bestimmt werden, sondern sich meistens selbstorganisiert entwickeln.

Der „Witz“ am Konzept des Spiels (und das macht das Konzept so passend für die Anwendung im Rahmen eine Theorie autopoietischer Systeme) ist, dass man an Spielen im Prinzip nicht teilnehmen muss, wenn man nicht will. Niemand muss z.B. Schach spielen, viele Leute können es auch gar nicht. Aber, wenn man mitspielen will, dann muss man sich zumindest ungefähr an die Spielregeln halten, weil man sonst einer „Spezialbehandlung“ unterzogen wird. Wenn die anderen Spieler meinen, dass man die Regelen nicht kennt, so erklären sie diese dem Ignoranten meist bereitwillig und hoffen, dass er sich danach an die Regeln hält (eine Form der Sozialisation). Wenn sie davon ausgehen, dass man zu blöd ist, die Regeln zu verstehen, stellen sie den Betreffenden vom Platz, aber ohne ihn darüberhinaus zu bestrafen (aber er darf zuschauen). Wenn sie ihn „als Spielverderber“ betrachten, der zur einfach „stören“ will, dann hat er mit Sanktionen zu rechnen, wenn er weiterspielen will. Wenn er als „Betrüger“ angesehen wird, der sich um des eigenen Vorteils willen nicht an die Regeln hält, wird er aus dem Spiel genommen und sanktioniert.

Problematisch wird es für denjenigen, der eigentlich gar nicht mitspielen will, sich aber auf dem Spielfeld findet und keinen Weg sieht, es zu verlassen… das kann dann wirklich hart sein, sich anzupassen. Aber er kann immer noch versuchen – mit anderen zusammen – die Spielregeln während des Spielens zu verändern.




Ein Gedanke zu „36.1.1 Spiele sind durch Spielregeln definiert, die zum einen das Spielfeld beschreiben und zum anderen Gebote und Verbote festlegen, die den Freiraum des Verhaltens der Spieler begrenzen.“

  1. @“Der „Witz“ am Konzept des Spiels (und das macht das Konzept so passend für die Anwendung im Rahmen eine Theorie autopoietischer Systeme) ist, dass man an Spielen im Prinzip nicht teilnehmen muss, wenn man nicht will.“

    Preis dieser Freiheit: „Spezialbehandlung“ (Nach-Sozialisation) und Sanktionen

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