36.1.2 Das Verhalten eines Individuums ist im Prinzip kontingent, das heißt, es könnte sich immer anders verhalten, aber auf diesen Freiraum muss es verzichten und sich an die gegebenen Spielregeln des sozialen Systems halten, um sich in dieses soziale System zu integrieren (Integration = Einschränkung / Aufgbe von Freiheitsgraden).

Warum wollen sich Menschen nicht in eine soziales System (wie z.B. die Bundesrepublik Deutschland) integrieren lassen, obwohl sich wohlmeinende Menschen sich alle Mühe geben, ihnen (z.B. manchen Migranten) dabei zu helfen?

Die Erklärung ist einfach: Die „Hilfe“ bei der  Integration ist die „Einladung“, seinen individuellen Freiraum aufzugeben. Das gilt natürlich nicht nur für Zuwanderer, sondern auch für „Einheimische“. Wer „dazugehören“ will, zu welchem sozialen System auch immer, muss seine – im Prinzip – nur durch physikalische Gesetze und die begrenzten Handlungsmöglichkeiten des eigenen Körpers begrenzte Freiheit aufgeben bzw. einschränken zu lassen. Aber alles hat ja seinen Preis.

 

Literatur:

„Eine Verhaltensregel kann als Handlungsorientierung definiert werden. Die Handlung wird nicht empfohlen, weil sie angenehm, einfach oder wirkungsvoll ist sondern weil sie angemessen oder richtig ist. Charakteristisch für Regelverletzungen ist es, daß sie Gefühle von Unbehagen und negative soziale Sanktionen nach sich ziehen. Verhaltensregeln gibt es überall; sie werden in Namen und zu Ehren von allem Möglichen hochgehalten. In jedem Fall aber muß es eine Gruppe sein, die diese Regeln befolgt, wenn nicht sogar eine ganze Gesellschaft, wodurch der Komplex von Verhaltensregeln erst zu einem allgemeinen soziologischen Problem wird. Gebundensein an Regeln führt zur Konstanzund Formierung des Verhaltens. Obwohl dies nicht die einzige Ursache für die Regelhaftigkeitin menschlichen Angelegenheiten ist, ist es bestimmt eine wichtige.“

Goffman, Erving (1967): Interationsrituale. Über Verhalten in direkter Kommunikation. Frankfurt (Suhrkamp) 1971, S. 56.




Ein Gedanke zu „36.1.2 Das Verhalten eines Individuums ist im Prinzip kontingent, das heißt, es könnte sich immer anders verhalten, aber auf diesen Freiraum muss es verzichten und sich an die gegebenen Spielregeln des sozialen Systems halten, um sich in dieses soziale System zu integrieren (Integration = Einschränkung / Aufgbe von Freiheitsgraden).“

  1. Deswegen lautet eine beliebte Strategie: Nimm die Annehmlichkeiten des Spiels in Anspruch, ohne allzu viel deiner Freiheit zu opfern.

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