37.1 In der Kommunikation unter Anwesenden (Interaktion) wird das gegenseitige Zuschreiben von Bedeutung/Sinn zu den gegenseitig beobachteten Verhaltensweisen (wechselseitige Wahrnehmung des Körpers) nicht allein von den jeweils gesprochenen Worten und deren Inhalt bestimmt, sondern von deren Kontextualisierung.

Die Interpretation der Verhaltensweisen anderer Menschen, d. h. die Bedeutung, die vom Beobachter seinem Verhalten zugeschrieben wird, ist für alle nur denkbaren Möglichkeiten des „Missverstehens“ offen (was auch eine Form des Verstehens ist, nur eben eines Verstehens, wie es von dem, dessen Verhalten beobachtet wird, nicht „gemeint“ war).

Schon die sogenannte Körpersprache eines Menschen zu entschlüsseln ist schwierig. Die Deutungschwierigkeiten werden größer, wenn Beobachter und Beobachteter nicht derselben Kultur angehören.

Dann kommt noch die Sprache hinzu. Sie zu verstehen, setzt bekanntermaßen einen meist jahrelangen Lernprozess voraus, und auch dann ist es im Prinzip nicht nur höchst unwahrscheinlich, sondern unmöglich, dass ein Hörer den Worten und Sätzen des Sprechers denselben Sinn zuschreibt wie dieser (denn es gibt keine geradlinige Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen den Aktionen unterschiedlicher Akteure, d.h. der „Sender“ bestimmt nicht, welche Botschaft beim „Empfänger“ ankommt). Aber das ist für die Funktion von Kommunikation – die Koordination von Akteuren und Aktionen – auch nicht notwendig. Es reicht, wenn der zugeschriebene Sinn „nahe genug“ an dem vom Sprecher „gemeinten“ Sinn ist, um die Koordination der Handlungen zu ermöglichen.

Wie lässt sich erklären, dass dies – der geringen Wahrscheinlichkeit zum Trotz – gelingt, wenn die beteiligten Beobachter/Kommunikationspartner autonom in der gegenseitigen Interpretation ihres Verhaltens sind? Die Antwort: Sie verwenden ähnliche Deutungsrahmen bei der Zuschreibung von Sinn zu den beobachteten Verhaltensweisen: Sie kontextualisieren sie auf eine ähnliche Art.

Was die Angelegenheit verkompliziert, ist, dass dabei nicht nur ein Kontext verwendet wird, sonderen eine ganze Reihe. Die Teilnehmer an der Kommunikation müssen, um es auf eine Formel zu bringen, sich immer über die Kontexte einigen, innerhalb derer sie gegenseitig ihr Verhalten und Sprechen deuten, um ihre Bedeutungsgebungen zu koordinieren.

Barnett Pearce und Vernon Cronen, die ausführlich über derartigen Kontextualisierungen geforscht haben und deren Anregungen hier zu einem guten Teil gefolgt wird , sprechen – in unterschiedlichen Publikationen und zu unteschiedlichen Publikationszeiten von 4 – 7 solchen Kontexten bzw. Kontextualisierungen, durch welche die Teilnehmer an der Kommunikation ein  „coordinated management of meaning“ zustandebringen.

 

Literatur:

„In several places we have proposed a hierachical model of actor’s meanings, which includes from four to seven levels, although the list is not always the same (…). Obviously, we are much more committed to the necessety of concepualizing person’s meanings as hierarchically organized than in arguing the number or sequence of levels. Recall, that our purpose is to model the way persons process information , not to describe a true ordering. We expect persons to differ in the number of levels of abstraction they use, in the sequence of levels, an in the extent to which meanings at various levels are consistent with those on other levels. By describing these differences, wie will have gained important information about various communicators that can relate to various forms of communication.“

Pearce, W. Barnett, Vernon E. Cronen (1980): Communication, Action, and Meaning. The Creation of Social Realities. New York (CBS Educational and Professional Publishing), S. 130.

 




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