37.2.4 Beziehung: Dieselben Sätze mit phänomenologisch denselben nonverbalen Kommentierungen in einer scheinbar identischen Interaktionssequenz verändern radikal ihre Bedeutung in Abhängigkeit von der Art der Beziehung, die zwischen den Kommunikationsteilnehmern besteht (z. B. Eltern – Kind vs. Geschwister, Chef – Mitarbeiter vs. Kollegen …).

Der Satz „Das hast du ja mal ganz gut gemacht!“ dürfte jeweils eine unterschiedliche Bedeutung gewinnen, wenn er von einem Lehrer zu seinem Schüler oder von einem Schüler zu seinem Lehrer gesagt wird (oder von einem Chef zu seinem Mitarbeiter oder umgekehrt; von einem alten Mann zu einem jungen Mann oder umgekehrt; von einer Frau zu einem Mann oder von einem Mann zu einer Frau usw.). Die Beziehungsdefinition der beiden entscheidet, welcher Sinn aller Wahrscheinlichkeit nach – es handelt sich immer nur um die Steigerung von Wahrscheinlichkeiten – einem Wort, Satz, einer Rede usw. zugeschrieben wird.

Im professionellen und öffentlichen Raum sind derartige Beziehungsdefinitionen oft mit den jeweiligen Rollen verbunden und daher die Erwartungen bzw. Erwartungserwartungen aufeinander abgestimmt (=koordiniert). Im privaten Bereich – z.B. der Familie – sind sie zwar auch durch gesellschaftliche Rollenbilder mitgeprägt, erfahrungsgemäß können sie aber aufgrund der unverwechselbaren Interaktionsgeschichte der Beteiligten eine weit größere Variationsbreite aufweisen.

Man kann man solche Beziehungsdefinitionen, vor allem wenn es um die Form der Beziehung (s. Sätze 45ff.) geht, als eine Art unausgesprochenen Kontrakts betrachten, wenn sich  die Beteiligten darüber einig sind. Zumindest konzeptualisieren Pearce und Cronen dies in dieser Weise („Contract„) als „Level 3“.

Da hier eine andere Reihenfolge der Ebenen gewählt ist, muss darauf hingewiesen werden, dass es – im Unterschied zu Pearce und Cronen – wenig sinnvoll erscheint, eine Hierarchie dieser Kontexte anunehmen. Letztlich kommentiert jeder Kontext alle anderen, so dass, wenn schon von Hierarchie gesprochen wird, deutlich betont werden, dass sie „verwickelt“ (= „strange loop“) ist.

 

Literatur:

Level 3

Contracts denote the propensity persons have to define relationships with others as things having particular attributes. Formal jurisprudence recognizes some forms of contracts als legally binding, whether they ar publicly declared (a marriage), formally written and notarized (a divorce settlement), or implicit (common law marriage (…)). Standard usage in our society includes something like contracts between friends, participants in social situations, and even adversary relationships (…).“

Pearce, W. Barnett, Vernon E. Cronen (1980): Communication, Action, and Meaning. The Creation of Social Realities. New York (CBS Educational and Professional Publishing), S. 133.




Ein Gedanke zu „37.2.4 Beziehung: Dieselben Sätze mit phänomenologisch denselben nonverbalen Kommentierungen in einer scheinbar identischen Interaktionssequenz verändern radikal ihre Bedeutung in Abhängigkeit von der Art der Beziehung, die zwischen den Kommunikationsteilnehmern besteht (z. B. Eltern – Kind vs. Geschwister, Chef – Mitarbeiter vs. Kollegen …).“

  1. Seltsame Schleifen dreht die Kommunikation in der Politik, in der zusätzlich zu den persönlichen Beziehungen, den institutionalisierten Rollen noch die (vermeintlichen) Wählergruppen (und deren gesellschaftliche Macht) hinter dem gesprochenen Wort des Politikers zum Ausdruck kommen.

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