38.2.1 Erklärungen können sich auf die Vergangenheit beziehen, d.h. die generierenden Mechanismen aktuell zu beobachtender Phänomene werden in der Vergangenheit zeitlich verortet und (re-)konstruiert (=gegenwärtige Vergangenheit).

Zu diesen Konstruktionen gehört alles, was die Geschichtswissenschaften an Ergebnissen produzieren; aber auch politische Konflikte kreisen um Erklärungen für die aktuelle Situation. Sie werden in der Kommunikation erfunden, modifiziert und ggf. bestätigt, d.h. allgemein akzeptiert und als Mehrheitsmeinung Grundlage politischer Entscheidungen.

Aber auch die gesamte Mythologie transportiert Erklärungen, seien es nun Schöpfungsgeschichten, Mythen über die Gründung von Religionen, Staaten, Unternehmen bzw. die Gründer, aber auch die Erzählungen, die in Familien von Generation zu Generation weitererzählt werden. Nicht zu vergessen: Theorien über die Entstehung psychischer Strukturen im Laufe einer individuellen Lebensgeschichte (wie sie ja auch hier skizziert werden).

Literatur:

„Eine Erklärung wird stets von einem Beobachter an einen anderen Beobachter gerichtet, der sie akzeptieren oder ablehnen kann. Eine Erklärung ist eine bewußte Reproduktion oder Neuformulierung. Ein System wird erklärt, wenn die Relationen, die es als System  einer besonderen Klasse (als eine Einheit besonderer Art) definieren, entweder begrifflich oder konkret bewußt reproduziert werden. Ein Phänomen wird erklärt, wenn die Prozesse, die es erzeugen, begrifflich oder konkret bewußt so reproduziert werden, daß ihre Anwendung die zu erkärenden Phänomene erzeugt. “

Maturana, H. (1978): Repräsentation und Kommunikation. In: ders. (1982): Erkennen: Die Organisation und Verkörperung von Wirklichkeit. Braunschweig (Vieweg) 2. Aufl. 1985, S. 276.




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