38.4.5 Es besteht eine heterarchische Beziehung (= verwickelte Hierarchie/strange loop) zwischen Beschreiben, Erklären und Bewerten, das heißt, jeder der drei Aspekte kann sowohl logisch als auch zeitlich als Grundlage der Kreation der aktuellen Weltsicht verwendet werden.

Ein „Problem“ mit Heterarchien oder zirkulären Prozessen für jeden, der gewohnheitsmäßig (westliches Denken) nach geradlinigen Ursache-Wirkungs-Prozessen sucht, besteht darin, dass Kreise keinen Anfang haben. Das illustriert der Proporzwettlauf von Lewis Carroll ganz wunderbar.

Zu lösen ist das Problem relativ einfach: Man fängt einfach irgendwo an, d.h. man interpunktiert den Kreis. Bezogen auf Beschreiben, Erklären und Bewerten heißt das: Man kann im Prinzip mit jedem dieser Elemente beginnen und es gewissermaßen als „archimedischen Punkt“ nutzen, von dem aus man die Welt (vielleicht nicht gerade „aus den Angeln heben“, aber) konstruieren kann.

Wer also bestimmte Bewertungen an die erste Stelle seiner Weltsich setzen möchte, kann das tun. Er wird dann aber seine Erklärungen dazu passend zusammenbasteln müssen und in der Wahl der von ihm wahrzunehmenden Phänomen sorgfältig sein… Analoges gilt für jede andere basale Interpunktion bzw. Fundierung des Weltbildes.

In der Therapie und Beratung empfiehlt sich allerdings – vor allem, wenn es um Konflikte und ihre Lösung geht – die Beschreibung von Phänomenen als Basis zu nutzen und die Aufmerksam darauf zu richten, da in dem Bereich noch am ehesten eine Übereinstimmung gefunden werden kann (was aber auch nicht selbstverständlich ist). Das sogenannte Zirkuläre Fragen der systemischen Therapie und Beratung beruht z.B. darauf, dass zunächst eine gemeinsame Beschreibung der Interaktionsmuster erarbeitet wird, um dann die Erklärungen und Bewertungen der Beteiligten durch Alternativen zu konterkarieren (= Umdeutung).




Ein Gedanke zu „38.4.5 Es besteht eine heterarchische Beziehung (= verwickelte Hierarchie/strange loop) zwischen Beschreiben, Erklären und Bewerten, das heißt, jeder der drei Aspekte kann sowohl logisch als auch zeitlich als Grundlage der Kreation der aktuellen Weltsicht verwendet werden.“

  1. Die Umdeutung erfolgt also bereits auf der grundlegenden Ebene der Beschreibung, denn Viele leben offensichtlich in einer „anderen“ Welt, was jedoch mit dem allgemeinen Bewertungsmuster zusammenhängt, das sich wie ein Schleier über die Phänomene gelegt und als unhinterfragte Gewohnheit in die Beobachtung eingeschlichen und eingeschliffen hat.
    Wäre es daher nicht sinnvoll, das Beobachten mit in diese Konstruktionsfolge von beschreiben, erklären, bewerten aufzunehmen?

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