39. Medien des Wahrnehmen und Beschreibens

Was verbindet den Beobachter mit dem beobachteten Gegenstand (auch wenn der „Gegenstand“, nur im Bereich der Ideen existiert)?

 

Literatur:

„Wir erkennen auf irgendeine Weise unsere Umwelt. Nicht alles, was uns umgeibt, ist aber für dieses Erkennen gleichwertig. Wir erkennen nicht nur Dinge, die unsere Epidermis unmittelbar berühren, sondern wir erkennen auch oft ein Ding durch etwas Anderes. Wir sehen zum Beispiel durch den Äther ferne Sterne; wir hören durch die Luft den Ton einer Glocke; wir erkennen am Barometer die Höhe des Luftdrucks; wir erkennen an den Ausdrucksbewegungen Psychisches und sehen »durch die Auten in die Seele eines Menschen«; wir erkennen aus Schriftzügen Gedanken usw. Diese Fälle sind freilich nicht alle völlig gleichartig. Aber sie haben dies Gemeinsame, daß das Objekt des Erkennens nicht unmittelbar, sondern durch irgendwelche Vermittlungen auf das Sinnesorgan wirkt.“

Heider, Fritz (1926): Ding und Medium. Berlin (Kadmos) 2005, S. 23.

 

 




18 Gedanken zu „39. Medien des Wahrnehmen und Beschreibens“

  1. Die unterschiedlichen Medien verbinden das Phänomen mit dem Beobachter und manipulieren zugleich sein Verständnis wie Kant, McLuhan und viele andere dargelegt haben.

  2. Die Mediennutzung unterliegt Veränderungen. Und die Medien unterliegen Veränderungen.
    Immer weniger Leute lesen eine Zeitung und noch weniger Bücher. Stattdessen beziehen immer mehr Leute ihre Informationen und ihr Weltbild aus dem Internet, wo Fake News ungefiltert neben Fakten verbreitet werden. Das hat dazu geführt, dass der Glaube an eine gemeinsame Beschreibung gesellschaftlicher Phänomene weitgehend zusammengebrochen ist. Vielen Leuten ist der Unterschied zwischen Fakten und Meinungen nicht mehr bewusst. Infolgedessen nimmt auch der Respekt vor Experten und vor Eliten ab. Vor allem in der Politik treiben sich immer mehr Leute herum, die von den Sachverhalten bloß wenig Ahnung haben, da der Unterhaltungswert der Performance eine immer größere Rolle spielt. Trump-Wähler sind überzeugt von ihm, weil er immer so lustig ist und weil er einfache und einleuchtende Sätze sagt. Ob die Sätze wahr sind, ist unwichtig.

  3. Legendär, der Tagesschau-Kommentar von 2016 über den Brexit, der nicht kommt, und Boris Johnson, den „gewissenlosen, gefährlichen Clown“, der jetzt „weg von der Bühne ist“. Looks like Haltungsjournalismus 🙂 🙂 (Simon hat solche Scherze auch gerne verbreitet :-))

    https://youtu.be/dHmstIYbCjE

  4. auf der abstrakten Ebene ist das Medium die Form, die die Möglichkeiten des Beschreibens von Inhalten, auch die Verknüpfung von Inhalten begrenzt…

    Schrift 1-dimensional
    Bilder 2-dimensional
    Film 3-dimensional ( mit Ton)

  5. @4: Ich würde eher sagen: Die Form bildet sich im Medium, weil dessen lose gekoppelten Elemente fest koppelt werden (z.B. Buchstaben (=Medium) zu Worten (=Form), Worte zu Sätze, Ideen zu Ideologien usw.).

  6. ja,
    auch im Medium einer Software für eine/ mehrere digitalen Oberflächen.
    Auch dort werden Elemente (mittels Befehlen) miteinander gekoppelt, es entsteht Sinn, der ohne diese spezielle Koppelungen nicht wahrnehmbar wäre.
    In meinem Fachgebiet wird durch entsprechende Ordnung der Elemente ein systemischer Blick ermöglicht, der durch eine Koppelung von Buchstaben zu Worten, von Worten zu Sätzen und weiter zur weiterhin linearen Koppelung von Sätzen kaum erreicht werden kann.
    Die lineare 1D Form (im Medium Zeit)kann im besten Fall in die XD Form überführt werden …
    ?..

  7. @3 „2016 Brexit“

    Das Jahr 2016 gilt Historikern als „Zeitenwende“, als Siegesjahr des Populismus: Die Briten votierten mehrheitlich für den EU-Austritt, die Amis stimmten mehrheitlich für Donald Trump als Staatspräsidenten, die Polen wählten mehrheitlich die nationalkonservative PiS und die Philippinos machten Rodrigo Dutertes zum Präsidenten. Bereits 2014 gelang der AfD bei der Europawahl erstmals der Einzug in ein überregionales Parlament. In der Folge zog sie in alle deutschen Landesparlamente und nach der Bundestagswahl 2017 mit 12,6 Prozent der Stimmen in den Deutschen Bundestag ein. Dort ist sie drittstärkste Kraft und stellt seit Bildung der Großen Koalition die größte Oppositionsfraktion.
    Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus im Jahr 1989 entwickelten sich 25 Jahre lang neue politische Machtverhältnisse, die 2016 zu einem Wiedererstarken des Nationalismus führten. Dieser ist auch als Reaktion auf globale Fliehkräfte zu verstehen, die sich beispielsweise im Nahost-Konflikt zeigen. Dort treffen nicht bloß die alten Konfliktparteien USA und Russland aufeinander, sondern neu hinzu kommen, die Türken, die Sunniten, die Schiiten, die Palästinenser, die Israelis und die Chinesen, die weniger militärisch als ökonomisch die Kräftekonstellationen verschoben haben. Der Nahost-Konflikt führte 2016 zur Bevölkerungsflucht, die die politischen Machtverhältnisse in der EU in Richtung Nationalismus, Konservatismus und Populismus verschob.

  8. @5
    ja, heute hatte ich dazu eine aktuelle Aufgabe:

    es ging nicht um Erkennen von Emotionen im Gesicht sondern um Erkennen von Emotionen in Gesprochenem und die Frage ob es dazu der Worte bedarf.
    Dann ist es hilfreich genau zu definieren was das Medium ist und welche Formen daraus gebildet werden können.
    In der obigen Aufgabe wäre das Medium der Sound, ich habe dafür kein passendes deutsches Wort, in dem die Emotionen als Formen gebildet werden oder sich zeigen.
    D.h. das Medium der Artikulation, was auch immer das ist, fragen wir Maturana,
    bringt andere Formen hervor, nämlich Worte, als der Sound.

    Sound wäre vielleicht im Deutschen Ton, es heißt ja „ der Ton macht die Musik“..
    und die Musik das Medium um Emotionen zu Gehör zu bringen.

    FAZ , Freitag 31. Januar 2020. Nr.26. Seite9
    Massenwahnsinnsmeister von Alexander Melnikow

  9. @9: Es ist der gesamte „Sprechakt“, d.h. Mimik, Gestik, Stimmfärbung, Tempo, Rhythmus des Gesagten, Lautstärke etc., die sich gegenseitig kommentieren…

  10. @9 Wie wäre es mit dem Begriff „Ausdruck“, wie er in der Musik verwendet wird?

    „Ausdruck in der Musik. Die Redensart mit Ausdruck spielen, heißt gemeinhin nicht mehr als gefühlvoll (espressivo) spielen. Im weitern Sinne ist er das bestimmte Hervortreten der Gedanken, Gefühle, Leidenschaften durch Töne, liegt dies nun in Rhythmus, Melodie, Harmonie der Composition, in der Darstellungsweise des Vortragenden, im besondern Toncharakter des Instruments oder in Vermischung dieser. – Ein guter Virtuos wird ein seichtes Werk durch schöne Behandlung zum (scheinbar) erhabenen veredeln können, wie sich umgekehrt ein Kunstwerk unter der Hand des Stümpers zum gemeinen verflacht. Nur wenn Alles – Componist, Virtuos wie Instrument – in schöner Kraft harmonisch[379] zusammenwirkt, wie etwa, da die Szymanowska das Hummel’sche H-moll-Concert auf einem Flügel von Stein vortrug, erkennt der gebildete Hörer das Ideal des musikalischen Ausdrucks.“ Damen Conversations Lexikon, Band 1. Leipzig 1834, S. 379-380.

  11. Emotionen zu Gehör bringen ist eine Kunst. Beispiel Beethoven: „Dem kammermusikalischen Miteinander der zwei gleichrangigen Interpreten aber wird es gerecht, wenn dann auf der Rückseite umgekehrt von den „Complete Sonatas for violin and piano“ die Rede ist. Gleiches Recht für beide: gleich große Fotos auf dem Cover, beide Namen gleich groß geschrieben. Das CD-Label „harmonia mundi france“ betreibt keinen Geigerinnen-Starrummel, sondern konzentriert sich auf das Wesentliche: auf die Musik. Das weiß Isabelle Faust zu schätzen, die Mitte der 90er bei der Plattenfirma ihr künstlerisches Zuhause gefunden hat. In einem Interview lobte sie kürzlich die Langfristigkeit, die Qualitätsansprüche und die familiäre Treue in der Zusammenarbeit. „Ich bin in einer extrem glücklichen Situation“, schwärmte die sonst nicht zum emotionalen Überschäumen neigende Künstlerin.
    Extrem glücklich ist sie auch mit ihrem Klavierpartner Alexander Melnikov – das hört man auch in dieser Einspielung. Seit über sieben Jahren musizieren die beiden miteinander. Miteinander musizieren, aufeinander hören – nicht selten gelingt ihnen das so berührend wie zu Beginn des Andante aus opus 23“ von Ludwig van Beethoven.
    https://www.deutschlandfunk.de/ein-grosser-grosser-berg.727.de.html?dram:article_id=101352

  12. ach ja , Beethoven
    … und seine unterschiedlichsten kammermusikalischen Interpreten,
    denen es Herausforderung war und ist
    – in Verneigung und Hingabe gegenüber der Größe seines Werks-
    Gesamtausgaben einzuspielen, um die Fülle an Emotionen
    neu zum Klingen zu bringen …

    Ich höre gerade seine Aufnahme
    „Beethoven Complete Piano Sonatas“
    https://fazilsay.com/

    einfach unglaublich …
    oder,
    – um mit der wunderbaren allzu früh verstorbenen norwegischen Pianistin Kirsti Hjort zu sprechen –
    „das ist so schön, das hält man garnicht aus“

  13. … nur wenn man dann diese trittbrettfahrenden Nichtskönner an Blockwarten der „political correctness“ liest,
    die offenbar -aufgrund früherer Aktivitäten- davon ausgingen, die gesamte Kunst vereinnahmen und vor ihre Karre spannen zu können
    kriegt man schier das Kotzen

    Wer bzw. wie vermag man sich dieses politische Gesocks bzw. diese unselige Brut eigentlich vom Leib zu halten, die im Zweifel dann auch noch im Gefolge von #me too o.ä. den Gott des Gemetzels herauf zu beschwören vermögen – insgeheim darauf hoffend und ihrer unselig verqueren Anbetungs-Gier verfallen, irgendwann doch noch im Rampenlicht ihrer „Celebrities“ stehen zu können.

    jedenfalls scheint sich bei einer derartigen Fanclub-Inszenierung der Judaskuss als ein Dreck dagegen zu erweisen …

  14. … wohingegen das hier -den absehbaren Protestrummel im Dezember 2016 fern zu halten- von echter Freundschaft und Liebe zu künden verstand,

    https://www.br-klassik.de/aktuell/news-kritik/beethovenpreis-fazil-say-absage-can-duendar-100.html

    Chapeau, das war ein starkes Signal !

    … und in einer derartigen Zeichensetzung erweist sich auch der tiefe Wesenskern des Unterschieds, der den Unterschied macht

    „Wir alle verehren oder hassen im anderen, was wir in uns selbst entfremdet haben.
    Anbetung ist nicht Liebe, sondern das Gegenteil von Haß. Jene, die lediglich das Ursprüngliche Männliche Wesen im Holokosmos ANBETEN, sehen Ihn als zwei Wesen, als Gott und den Teufel, als das Alternierende zwischen den Gegensätzen Verlangen und Ekel, mit denen sie ihre Sicht polarisiert haben.“

    George Spencer-Brown
    Dieses Spiel geht nur zu zweit,
    S.30, ISBN 978-3-89094-288-9

  15. und was ist nun der Plan?

    https://www.youtube.com/watch?v=4YCDTqpr82Y

    Ich glaube im übrigen nicht an eine elementare Bedrohung durch die KI und Robotik.
    Ich glaube auch nicht an transhumanistische Mischwesen mit Super-IQ. Sowas entspringt dem Modell einer Betonmaschine mit Preß-Luft-Hammer im Socius …

    damit ist ein Nippel noch nicht durch ne Lasche gezogen,
    aber vll. sollte man mal die/den Nage(r/l) mit nem Hamme(l/r) zu
    be-/ver- ab ei ten

    😉

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