39.1 Jedes Wahrnehmen besteht primär aus einem körperlichen Ereignis oder Prozess: einer körperlichen Veränderung als strukturdeterminiertem Reagieren auf eine Veränderung einer Umwelt bzw. die durch sie initiierte Verstörung (= Perturbation/Irritation).

Ohne Sinnesorgane und ihre Stimulation keine Wahrnehmung von Ereignissen, die außerhalb der Grenzen des Körpers stattfinden. Da der Organismus ein strukturdeterminiertes System ist, ist durch ihn bzw. seine Strukturen bestimmt, was für ein menschliches Individuum wahrnehmbar ist bzw. tatsächlich wahrgenommen wird (was nicht dasselbe ist). Aus der Reizung sensorischer Zellen kann nicht abgeleitet werden, durch welchen Reiz sie erregt wurden (Beispiel Retina, s. unten).

Äußere Geschehnisse determinieren daher nie als „Ursachen“, wie der Körper auf sie antwortet. Es ist wie bei einem Gespräch, wo auch nicht die Worte des einen Sprechers die Antworten des anderen festlegen – andernfalls gäbe es aufgrund er Langeweile solcher Veranstaltungen keine Talkshows (obwohl man ja manchmal den Eindruck hat, man würde die Reiz-Reaktions-Muster der Beteiligten schon kennen und könnte sie vorhersagen).

Und, das muss hervorgehoben werden, nicht alle Reizungen des Sensoriums führen zu bewusster Wahrnehmung.

 

Literatur:

„Es gibt in der Retina Ganglienzellen, bei denen es unmöglich ist, eine eindeutige Korrelation zwischen einer Stimuluskonfiguration und der Zellreaktion herzustellen. Bei diesen Zellen erscheinen die Input-Output-Relationen mehrdeutig zu sein, und irgendeine Spezifizierung eines visuellen Stimulus durch diese Zellen kann sich nur aus der adäquaten Evalutation ihrer kollektiven Aktivität durch das Gehirn ergeben.“

Maturana, Humberto, G. Uribe, S. G. Frenk (1968): Eine biologische Theorie der relativistischen Farbkodierung in der Primatenretina. In: Maturana, Humberto (1982): Erkennen: Die Organisation und Verkörperung von Wirklichkeit, Braunschweig (Vieweg), S. 135.

 




3 Gedanken zu „39.1 Jedes Wahrnehmen besteht primär aus einem körperlichen Ereignis oder Prozess: einer körperlichen Veränderung als strukturdeterminiertem Reagieren auf eine Veränderung einer Umwelt bzw. die durch sie initiierte Verstörung (= Perturbation/Irritation).“

  1. 60 Jahre Tagesschau, 50 Jahre ZDF, 40 Jahre Talkshow – das Fernsehen wird (gefühlt) 150 Jahre alt. Für alle, die erst später zugeschaltet haben, hier die wichtigsten Informationen im Schnelldurchlauf: Und nun das Wetter …

  2. … es räänt
    vermutlich
    am Wo-Ende
    in Määnz …

    hasche des aa uffm
    Schirm?

    Ei wann net dann bring emoo
    enner mit …
    kann aa e Knirps sei …
    damittener net nass (gemacht)
    wern

    vorsichtshalber

    🙂

  3. @“Es ist wie bei einem Gespräch, wo auch nicht die Worte des einen Sprechers die Antworten des anderen festlegen – andernfalls gäbe es aufgrund er Langeweile solcher Veranstaltungen keine Talkshows (obwohl man ja manchmal den Eindruck hat, man würde die Reiz-Reaktions-Muster der Beteiligten schon kennen und könnte sie vorhersagen).“

    Die meisten Talkshows sind auf Krawall aus. Warum würde man sonst Leute mit unterschiedlichen Meinungen aufeinander loslassen.
    Sie lesen doch deshalb die taz, um Ihre Meinungen bestätigt zu finden. Oder lesen Sie auch manchmal die Welt oder Tichys Einblick?

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