39.1.4 Nur eine Auswahl aller sinnlichen Wahrnehmungen wird bewusst, der größte Teil bleibt unbewusst bzw. unterhalb der bewussten Wahrnehmungsschwelle.

Man kann davon ausgehen, dass nur ein Bruchteil der sinnlichen Wahrnehmung eine Wirkung auf das Bewusstsein hat. Das meiste wird als Rauschen ausgefildert, als ohne Bedeutung und Wichtigkeit vom Bewusstsein ignoriert. Die Kriterien, nach denen selektiert wird, sind zum großen Teil unbewusst, zum Teil können sie aber bewusst gemacht werden (z.B. durch Selbstbeobachtung und -reflexion).

Dabei sind zwei Faktoren zu diskutieren: Zum einen lebensgeschichtlich erworbende Selektionskriterien (die ihren unbewussten Niederschlag in der Struktur und den physiologischen Mustern des Individuums gefunden haben) und allgemein wirksamen, rein physiologischen Mechanismen, wie etwa die Dauer, Intensität oder der Rhythmus voon Reizen. Welche das im Einzelnen auf physiologischer Ebene sind, ist in der Hirnforschung umstritten.

 

Literatur:

„»Ist vielleicht die Frequenz der Wiederholung der entscheidende Faktor?« – und nicht die Dauer an sich? Oder hängt das Erreichen eines bewussten Erlebnisses von »der Zahl der Nervenimpulse ab, die von der Folge von Reizimpulse erzeugt werden?«

(…)

Ich habe einen völlig anderen Vorschlag zur Erklärung der erforderlichen Dauer von 0,5 sec für Bewusstsein gemacht: Die Dauer von ähnlichen Aktivationen könnte selbst die Grundlage sein. Das bedeutet Folgendes: Wenn die Dauer von wiederholten ähnlichen Aktivationen geeigneter Neuronen eine bestimmten Wert erreicht, taucht das Phänomen des Bewusstseins auf. Die erforderliche Dauer wäre der »neuronale Code« für die Entstehunge von Bewusstsein. Dieser Vorschlag passt mit allen gegenwärtig verfügbaren Belegen zusammen. Deshalb handelt es sich un eine gangbare Option, obwohl man ncht sagen kann, dass es sich dabei um einen Mechanismus handelt, für den es angemessene Beweise gibt.“

Libet, Benjamin (2004): Mind Time. Wie das Gehirn Bewusstsein produziert. Frankfurt (Suhrkamp) 2005, S. 85.




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